Montag, 6. Juli 2020

Rezension: `Die Fliederinsel` von Sylvia Lott

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Beeindruckende Geschichte !



















Als Celia auf ein altes Foto stößt, das ein Häuschen in Dänemark zeigt, will sie plötzlich mehr über ihre Vorfahren herausfinden. Sie hört, dass das Haus an Urlaubsgäste vermietet wird, überlegt nicht lange und fährt auf die Insel Fünen.
Gleich am ersten Tag entdeckt sie in einem Verschlag ein altes Gemälde, das sie der Eigentümerin Inger zeigt. Es handelt sich um ein lange verschollen geglaubtes Bild von Ingers Mutter, der Malerin Ruth Liebermann.


 Um Ruths Geschichte zu erzählen, entführt Sylvia Lott den Leser in die Jahre um den zweiten Weltkrieg. Zusammen mit ihrem Mann Jakob muss Ruth aus Nazi Deutschland flüchten.
Eigentlich sollte Amerika das Ziel sein, doch nur Dänemark war bereit, die Juden aufzunehmen. Das Land war bekannt dafür, Juden nicht zu verfolgen.


Ich habe schon viele Romane über Judenverfolgung gelesen, doch ich wusste wenig über die Rolle Dänemarks im Krieg.
Die Autorin hat gründlich recherchiert und dem Leser die damaligen Verhältnisse wirklich nahe bringen können.
Auch die Emotionen hat sie gut eingefangen, denn obwohl Ruth und Jakob in Deutschland ein schreckliches Schicksal erwartet hätte, ist in Dänemark nicht alles eitel Sonnenschein.

 Während Ruth gleich loslegt und sich mit der neuen Situation auseinandersetzt und für ein halbwegs gutes Auskommen kämpft, hadert Jakob mit dem Schicksal und wird immer in sich gekehrter.
Eine Zeit lang können sie dort unbehelligt, fast normal leben, doch irgendwann sind sie auch in Dänemark nicht mehr sicher.

Ich fand Ruths und Jakobs Geschichte mega spannend, aber auch beklemmend, denn die Angst, entdeckt zu werden, wird so perfekt beschrieben, dass ich sie während des Lesens fast spüren konnte.

Sylvia Lott schreibt so bildhaft, ich sehe die Fliederfelder, die Gemälde, das Häuschen und auch die Personen genau vor mir. Bisher habe ich mir noch nie Gedanken über die jüdischen Kinder, die im Krieg zurückgelassen oder verschickt wurden, gemacht. In `Die Fliederinsel` lesen wir, wie schwierig es war, nach längerer Zeit wieder Zugang zu den kleinen Kindern zu bekommen. Manchen Familien ist es nie mehr gelungen und das alles ohne eigene Schuld.
Zum Schluss gibt es noch ein Highlight für den Leser, in dem die losen Fäden aus beiden Zeitebenen miteinander verknüpft werden.
Ich konnte zwei Tage ganz in die Geschichte eintauchen, dann hatte ich leider ausgelesen, aber `Die Fliederinsel` wirkt sicher noch einige Zeit nach.





Ich danke dem Blanvalet Verlag für die Zusendung des Rezensionsexemplares.

Freitag, 3. Juli 2020

Rezension: `Eine Liebe zwischen den Fronten` von Maria W. Peter

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Eine Liebe zwischen den Fronten!














Mitten in die Verlobungsfeier von Paul und Madeleine platzt ein Soldat mit Pauls Einberufungsbefehl. Der Deutsch- Französische Krieg hat begonnen!! Damit stehen die Liebenden ab sofort auf gegnerischen Seiten. Madeleine flieht kurzerhand mit ihrem Vater nach Metz und Paul zieht für Preußen als Militärarzt in den Krieg.

Von nun an fndet sich der Leser meistens an Kriegsschauplätzen wieder, mitten in Schlachten oder in Lazaretten.
Im Vordergrund steht eindeutig das Kriegsgeschehen und weniger die Liebesgeschichte.

Mehrere Kapitel drehen sich um die Erlebnisse von  Madeleines Bruder Clement, einem Pariser Kommunarden, um die schwarze Djamila, die für Madeleines Mutter arbeitet und ihren Bruder Karim, der als Algerier für Frankreich kämpft.
Die Perspektiven wechselten für mich etwas zu oft und zu abrupt, sodass ich manchmal gar nicht so schnell mitbekam, dass wir uns schon wieder woanders befinden.

Madeleine bangt um ihren Verlobten, weiß nicht, ob er noch lebt, weil überhaupt keine Nachrichten verschickt werden können. Paul geht es genauso, beide arbeiten bis zur Erschöpfung in einem Kriegslazarett, nur auf verschiedenen Seiten. Was sie dort erleben, ist bedrückend und streckenweise sehr erschreckend.
Maria W. Peter hat die historischen Ereignisse von 1870/71 , hervorragend recherchiert. Sie schont den Leser nicht, redet nichts schön, sondern konfrontiert ihn erbarmungslos mit den grausamen Tatsachen des Krieges. Die ganzen Entbehrungen, der Kummer, das unendliche Leiden und Sterben der Verletzten, der gegenseitige Hass, aber auch die immer größer werdende Angst, werden atmosphärisch dicht und auch fesselnd erzählt.


Trotzdem war dieses detailreiche Beschreiben des Kriegsgeschehens für mich insgesamt zu viel, sodass ich des Öfteren mal quergelesen habe. 




                                                       




Ich danke dem Bastei Lübbe Verlag für die Zusendung des Rezensionsexemplares.

Dienstag, 30. Juni 2020

Rezension: `Zappeduschder` von Jacqueline Lochmüller

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Der zweite Fall für Kommissarin Herbich !!!


















Ein Mann wird beim Tanzen von einer Unbekannten erstochen. Bei den Ermittlungen lernt Kommissarin Kristina Herbich den attraktiven Philip kennen und verliebt sich. Und zwar so sehr, dass sie die weitere Morduntersuchung ihrem Kollegen Breuer überlässt und ein paar Tage zu dem Mann ins Saarland fährt.


In einem anderen Handlungsstrang geht es um Entführung und Mord, und plötzlich befindet sich Kristina in ihrem Urlaub mitten in den Ermittlungen der Mainzer Kollegen.

Allerdings empfand ich Kristina als Polizeibeamtin ausgesprochen naiv und unvorsichtig, wodurch sie selbst in große Gefahr gerät.
Die ausführlichen Beschreibungen aus ihrem Privatleben störten mich diesmal etwas, weil dadurch die spannende Handlung immer wieder unterbrochen wurde.

Trotz dieser kleinen Kritikpunkte war es insgesamt ein netter, gut lesbarer Krimi mit sehr viel Lokalkolorit und einigen nicht vorhersehbaren Wendungen.


                                 




.Ich danke dem Emons Verlag für die Zusendung des Rezensionsexemplares.

Mittwoch, 24. Juni 2020

Rezension: `Der Fahrer` von Andreas Winkelmann

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#FINDEMICH


















Dies war mein erstes Buch von Andreas Winkelmann und es handelt sich, wie ich dann erst merkte, um eine Reihe. Trotzdem hatte ich aber keinerlei Schwierigkeiten, ohne Vorkenntnisse in die Story hineinzufinden.

Junge Frauen werden entführt und die Polizei bekommt 24 Stunden Frist, sie zu finden. Unter dem Hashtag #findemich erhalten sie Nachrichten vom Entführer, doch er scheint ihnen immer eine Schrittlänge voraus zu sein.
Die jungen Frauen waren alle aktiv bei Instagram und posteten fleißig Fotos. Ist der Täter unter den Followern zu finden?

Zusätzlich hat man den Eindruck, dass sich jemand an Kommissar Jens Kerner rächen will, denn alle Hinweise deuten auf ihn.
Vielleicht jemand, den er hinter Gittern gebracht hat oder Angehörige eines Verurteilten? Jens tappt, genauso wie seine Kollegen im Dunkeln.

 Jens Kerner und sein Team ermitteln in alle Richtungen, haben auch schon verschiedene Verdächtige verhört, aber der große Durchbruch gelingt ihnen nicht. Was hat der Fahrdienst Mac Driver damit zu tun? Und wieso taucht plötzlich Jens` Bruder hier auf?

Andreas Winkelmann hat einen packenden Thriller geschrieben, gut austüftelter Plot und kurze Kapitel, von denen viele mit einem Cliffhanger enden. Der Leser wird ordentlich in die Irre geführt, immer wenn man meint, den Täter zu erkennen, ergibt sich wieder eine neue Wendung.
Teilweise wird auch aus der Sicht der entführten Frauen erzählt, was mir schon den einen oder anderen Schauer über den Rücken laufen ließ. Andreas Winkelmann schreibt in modernem Stil, flott, lebendig und temporeich, sodass keine Sekunde Langeweile aufkam.
Ein mulmiges Gefühl bei der nächsten Taxifahrt bleibt, glaube ich, nicht aus. Unbedingte Leseempfehlung für meinen ersten Winkelmann- Thriller.

                                                                               

Ich danke dem  Rowohlt Verlag  für die Zusendung des Rezensionsexemplares.

Sonntag, 21. Juni 2020

Rezension: `Der nahende Sturm` von Ellin Carsta


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Große Aufregung bei den Hansens!!











Robert und Therese mussten abrupt aufbrechen und von Kamerun nach Hamburg reisen, denn im Kontor sind schlimme Dinge passiert. Es geht um die Existenz der ganzen Firma !!

 Elisabeth versucht mit allen Mitteln, die Hansens zu vernichten. Eine große Hilfe ist ihr dabei Richard, der seinerseits Rache üben will.
Jetzt zeigt sich wieder, dass der Rest der Familie zusammen hält. Sofort kommen sie aus der ganzen Welt zusammen, um gemeinsam für den Erhalt der Firma zu kämpfen. Doch werden sie es schaffen, gegen, die inzwischen mächtige, Elisabeth anzukommen?

Bei Luise und Hans läuft diesmal auch privat nicht alles so harmonisch wie bisher, und Martha merkt endlich, dass sich nicht alles nur um sie drehen muss, damit sie glücklich werden kann.

Während Robert in Hamburg ist, vertritt Hamza ihn in Kamerun, so gut er kann, was vielen Weißen gar nicht passt.
Dass er als Einziger weiß, wie man die lästigen Spinnmilben vertreibt, bringt sie noch mehr gegen ihn auf.
Hamza sitzt ein wenig zwischen den Stühlen, die Weißen akzeptieren ihn nicht wegen seiner Hautfarbe und seine Stammesbrüder werfen ihm vor, sich wie ein Weißer zu verhalten.


Wieder habe ich nur einen Sonntag gebraucht, um den sechsten Hansen-Teil `Der nahende Sturm`  zu lesen. Abgesehen von der Handlung wird das Buch durch die wechselnden Schauplätze und die vielschichtigen Charaktere zu einem kurzweiligen Lesevergnügen.
Trotzdem fand ich die vorigen Bände noch ein klein wenig spannender, weil diesmal manche, eher nebensächliche Ereignisse für mich zu ausführlich behandelt wurden.
Aber wie immer haben mich die Hansens gut unterhalten können und ich freue mich auf den nächsten Band, der dann leider auch der letzte der Reihe sein wird.



                                               
Ich danke Netgalley.de für die Zusendung des Rezensionsexemplares.

Montag, 15. Juni 2020

Rezension: `Das wirkliche Leben` von Adeline Dieudonné

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Verstörender, aber fesselnder Roman !!














Das Mädchen lebt mit ihren Eltern, ihrem Bruder und den `Kadavern` in einem schönen hellen Haus am Waldrand.

Die Mutter, von ihr immer als Amöbe bezeichnet, schweigt, kocht das Essen und kümmert sich ansonsten um ihre Zwergziegen. Der Vater, ein gewalttätiger Koloss, trinkt Whiskey, guckt Fernsehen und liebt den Rausch der Jagd. Für seine Jagdtrophäen hat er ein eigenes Zimmer eingerichtet, das Kadaverzimmer. Seine Macht demonstriert er gerne zuhause und lässt seine Wut an der Amöbe aus, die das genauso wie alles andere, einfach hinnimmt.
Es ist schwierig, diesen Roman zu beschreiben. Eine bedrückende, verstörende Erzählung aus der Sicht eines jungen Mädchens, geschrieben in der Ich- Form.

Der Leser kann förmlich ihre Angst spüren, wenn sie dem Vater entgegen tritt. Vor allem, als sie älter wird und ihr Körper fraulichere Formen bekommt, muss sie sich noch mehr vor ihm und seinen lüsternen Blicken in Acht nehmen. Man leidet mit ihr, wenn sie um ihren kleinen Bruder fürchtet, der abartige Dinge tut. Der Leser erfährt von ihren Sehnsüchten, den Qualen und dem Grauen, wenn sie an die Kadaver denkt. Aufmüpfige Gedanken werden vom Vater gleich im Keim erstickt, wenn nötig, auch mit Gewalt. Doch das Mädchen kämpft und versucht aus eigenen Stücken mehr aus ihrem Leben zu machen. Sie will kein Opfer sein, keine Beute! Von der Amöbe ist keine Hilfe zu erwarten, das Mädchen muss sich selbst helfen.


 Adeline Dieudonnés Schreibstil ist nüchtern und schnörkellos, jedoch sehr ausdrucksstark. Die düstere, trostlose und bedrückende Atmosphäre hat die Autorin perfekt eingefangen.
Obwohl es keinerlei wörtliche Rede gibt, was ich eigentlich gar nicht mag, fesselte mich `Das wirkliche Leben`  von der ersten bis zur letzten Seite.
Eine ganz klare Leseempfehlung für diesen außergewöhnlichen, brillant geschriebenen Roman.

             



Ich danke dem DTV Verlag für die Zusendung des Rezensionsexemplares.

Freitag, 5. Juni 2020

Rezension: `Im grausamen Licht der Sonne` von Nalini Singh


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Sehr spannend!!














Anahera kehrt nach dem Tode ihres Mannes zurück in ihrem Heimatort Golden Cove. Sie muss nicht nur den Verlust verarbeiten, sondern auch mit einem schlimmen Betrug fertig werden.
Doch die ersehnte Ruhe bleibt aus, denn direkt in den ersten Tagen verschwindet ein junges Mädchen, die überall beliebte Miriama. Zuerst geht man von einem Unfall aus und der ganze Ort hilft bei der Suche, doch das Mädchen bleibt verschwunden. Man muss inzwischen von einem Verbrechen ausgehen und es ist klar, dass der Täter nur aus Golden Cove kommen kann. Sofort werden Erinnerungen an die drei Wanderinnen wach, die vor Jahren hier verschwunden sind.
Der Polizist Will organisiert die Suche und zusammen mit Anahera versucht er mehr über das Vorleben der Dorfbewohner herauszufinden.
 Es scheint, als hätte bald jeder Dreck am Stecken und rutscht damit  automatisch auf die Liste der Verdächtigen. Für Anahera unvorstellbar, denn mit den meisten von ihnen ist sie zusammen aufgewachsen und vertraut ihnen.
Ich habe von Nalini Singh bisher noch nichts gelesen, da sie meist Fantasy Romane schreibt. Nun ist ihr erster Thriller erschienen und ich bin begeistert.
Für mich ist es ein Mittelding zwischen Thriller und Krimi, denn viel Zeit wird mit normaler Polizeiarbeit verbracht. Die Alibis werden überprüft, das Vorleben der Bewohner durchleuchtet und eventuelle Lügengeschichten aufgedeckt.
Auch die verschwundene Miriama hatte ihre Geheimnisse, die bald alles in einem anderen Licht scheinen lassen. Irgendwann ist es so, dass man seinem besten Freund nicht mehr traut, weil jeder irgendwie verdächtig ist.

Ein packender Schreibstil, kurze Kapitel, von denen viele mit einem Cliffhanger enden und interessante, spannende Verwicklungen haben es geschafft, dass ich das Buch kaum aus der Hand legen konnte.
                                               




   Ich danke dem Droemer Knaur Verlag und Netgalley für die Zusendung des Rezensionsexemplares.

Freitag, 29. Mai 2020

Rezension: `Ostseegruft` von Eva Almstädt


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Spannender Ostseekrimi!!











Als die Kommissarin Pia Korritki am Grab ihrer Freundin steht, fällt ihr ein Mann auf, der behauptet, Kirstens Tod sei kein Unfall, sondern Mord gewesen. Als Pia nachhaken will, ist er verschwunden. Eigentlich wurde der Unfall bei der Polizei schon zu den Akten gelegt, aber Pia lässt es keine Ruhe. Sie versucht herauszufinden, was wirklich passiert ist und ob an dem Vorwurf etwas dran sein könnte.
Befragungen der Nachbarn, Freunde und der Familie der Toten bringen sie Stückchen für Stückchen weiter.

Zur Hilfe kommt ihr aber der Zufall, als eine zwanzig Jahre lang verschüttete Leiche unter einem einsturzgefährdeten Haus auftaucht. Pia sieht Verbindungen zwischen den Fällen, doch was sie herausfindet, ist eine weitaus größere Sache, als sie bisher angenommen hat.

Pia ist zudem eine sympathische Protagonistin, für die es als alleinerziehende Mutter nicht immer so einfach ist, alles unter einen Hut zu bringen. Ich kannte bisher erst einen Krimi aus der Reihe und das ist schon einige Jahr her. Trotzdem war es überhaupt kein Problem, sofort einzusteigen. Ich ärgere mich nur, dass ich die anderen Bände verpasst habe, aber das lässt sich ja nachholen.

Ich mag diese Art von Krimi total gerne. Wenig Blutvergießen, viel Polizeiarbeit, Recherche und keinerlei übertrieben reißerische Szenen. Hier hat Pia es mit einem sehr undurchsichtigen Fall zu tun und ich hatte fast in jedem Kapitel einen neuen Verdächtigen ausgemacht. Doch leicht macht es einem die Autorin nicht mit vielen unvorhergesehenen Wendungen, sodass sie mich am Ende doch überraschen konnte.

`Ostseegruft` war für mich von Anfang bis Ende spannend, ganz klare Leseempfehlung !!


                                         




Ich danke dem Bastei Lübbe Verlag für die Zusendung des Rezensionsexemplares.

Montag, 25. Mai 2020

Rezension: `Die Lilienbraut` von Teresa Simon


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Sehr schöne Familiengeschichte!












Der neue Roman von Teresa Simon spielt auf zwei Zeitebenen. Zum Einen erleben wir die junge Mutter Liv, die in Köln ein Haus erbt und dort ein Duftlädchen eröffnet. Gleich in den ersten Tagen begegnet ihr mehrmals eine alte Frau, die sie anscheinend mit jemandem verwechselt und wüst beschimpft.
Auch sonst scheint Liv Feinde in Köln zu haben, die ihr das Geschäft mit ihrem Duftlädchen schwer machen.
Liv versucht herauszufinden, wieso die alte Frau denkt, sie kennt sie von früher. Und zum ersten Mal überlegt sie, warum ihre Tante ihr das Haus in Köln vererbt hat, sie es aber nicht verkaufen durfte. 

Im anderen Handlungsstrang begeben wir uns in die Zeit des zweiten Weltkriegs. 
Die junge Kölnerin Nellie hatte ein untrügliches Gespür für guten Duft und hätte es in ihrer Stellung im Dufthaus 4711 sicher weit bringen können, doch der Krieg zerstörte alles. Dazu kamen persönliche Schicksalsschläge und die verbotene Liebe zu einem Pater, ein ewiges Schwanken zwischen Hoffnung oder Aussichtslosigkeit.


Teresa Simon erzählt lebendig und spannend und bereits ab der ersten Seite ist der Leser mitten im Geschehen. In beiden Zeitebenen finden wir facettenreiche Charaktere, obwohl mich die Kapitel mit Nellie viel mehr fesseln konnten als die in der Gegenwart.

Wer schon öfter in Köln war oder hier lebt, der wird viele der beschriebenen Schauplätze, der bekannten Personen und kölschen Spezialitäten kennen. Mich hat es umso mehr begeistert, weil ich auch schon ein paarmal das Dufthaus 4711 und das Farina Museum besucht habe.

Während des Lesens fragte ich mich, was die beiden Handlungsstränge miteinander zu tun haben, auch wenn ich natürlich Vermutungen hatte. Heraus kommt eine beziehungsreiche Familiengeschichte, die durch alte Tagebucheinträge ergänzt, und nach und nach langsam aufgeklärt wird. Geschickt werden am Ende alle losen Fäden miteinander verflochten, sodass keine Fragen offen bleiben.

                                                           
                                                             


Ich danke dem  Heyne Verlag für die Zusendung des Rezensionsexemplares.

Freitag, 22. Mai 2020

Rezension: `Das Schattenhaus` von Tess Gerritsen



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Ziemlich schwach!!



















Die Food Autorin Ava mietet sich für den Sommer ein altes Haus auf einer abgelegenen Insel an der Küste Maines. Dort hofft sie die schlimmen Erlebnisse der letzten Zeit vergessen zu können und möchte an einem Kochbuch arbeiten.

Immer öfter hört sie nachts unheimliche Geräusche und bildet sich ein, einen Mann zu sehen. Als sie nachforscht, findet sie heraus, dass das Haus einst Captain Brodie gehörte und hier schon einiges passiert ist.
Sie überlegt wieder auszuziehen, aber das Haus zieht sie nach und nach in seinen Bann.

Ich glaube nicht an  Übersinnliches, doch `Das Schattenhaus` lässt sich trotzdem gut lesen, obwohl ich die Story ziemlich schräg fand.
Ava trinkt zu viel, man weiß nicht, bildet sie sich im Suff nur ein, dass Captain Brodies Schatten nachts durchs Haus geistert oder gibt es eine vernünftige Erklärung für alles?
 Passiert es vielleicht nur in ihren Träumen oder hat alles mit der schweren Schuld zu tun, die Ava auf sich geladen hat, und die auch der Grund ist, dass sie hierhin geflüchtet ist?


Ich mag die Bücher von Tess Gerritsen wirklich gerne, aber bei `Das Schattenhaus` fällt mir eine Bewertung schwer. Es war gut und flüssig geschrieben und auch auf eine Art spannend, aber dieser Gruseleffekt blieb bei mir vollkommen aus. Ich fand vieles einfach nur albern. Mit Müh und Not habe ich mich zu 3 Sternen durchgerungen.




Ich danke Limes Verlag  für die Zusendung des Rezensionsexemplares.

Donnerstag, 14. Mai 2020

Rezension: `Die Mädchen aus der Firefly Lane` von Kristin Hannah

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Wunderschöne Geschichte!!

















Kate und Tully sind zwei Mädchen, die unterschiedlicher nicht sein könnten. Kate zurückhaltend und eher eine Außenseiterin, Tully auffallend und überall beliebt. Trotzdem werden sie beste Freundinnen.
Die Schule besuchen sie gemeinsam, genauso wie das College und anschließend haben beide den gleichen Berufswunsch. Es heißt überall nur KateundTully, denn die beiden gibt es meist nur im Doppelpack.
Irgendwann driftet es ein wenig auseinander, Kate zieht ein Leben als Ehefrau und Mutter der Karriere vor. Unverständlich für Tully, deren Bestreben es weiterhin ist, ein Leben als Reporterin im Rampenlicht zu führen.
Trotzdem besteht die Freundschaft weiterhin und auch wenn es öfter Meinungsverschiedenheiten gibt, sind sie sich nie wirklich böse.
Bis zu einem unverzeihlichen Vertrauensbruch, an dem die Freundschaft zu zerbrechen droht.

Der neue Roman von Kristin Hannah ist eine wunderschöne emotionale Geschichte über die Freundschaft zweier Frauen. Sie erleben viele Höhen und Tiefen, ihre Freundschaft übersteht alles, doch bei der schlimmsten Krise ist eine von beiden allein.

Schon viele ihrer Bücher haben mich begeistern können, und auch mit `Die Mädchen aus der Firefly Lane` ist Kristin Hannah wieder etwas Besonderes gelungen.
Die Story wird abwechselnd aus der Sicht von Kate oder Tully erzählt, sodass der Leser immer weiß, was in beiden vorgeht.
Das letzte Drittel ist wirklich sehr gefühlsbetont und war für mich extrem tränenreich. Ich kann mich nicht erinnern, wann ich das letzte Mal bei einem Buch so geflennt habe.
Ein wirklich aufwühlender und bewegender Roman, den ich nicht so schnell vergessen werde!!


Ich danke dem  Aufbau Verlag für die Zusendung des Rezensionsexemplares.

Dienstag, 12. Mai 2020

Rezension: `Sonst tot` von Jutta Maria Herrmann und Thomas Nommensen


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Spannender Kurzkrimi!

















Die vierzehnjährige Jule ist es leid, dass ihr Vater ihr den Umgang mit dem wesentlich älteren Ben verbietet. Um ihn zu strafen, dreht sie zusammen mit Ben ein absolut schräges Ding, doch nichts läuft so, wie sie es sich vorgestellt hat.
Als sie merkt, dass Ben nicht der Mann ist, für den sie ihn gehalten hat, ist es schon zu spät.
Währenddessen sucht Jules Vater seine Tochter überall, denn er hat eine Lösegeldforderung erhalten.

Ich mag die Bücher von Jutta Maria Herrmann und nun hat sie zusammen mit ihrem Mann Thomas Nommensen diesen kurzweiligen, spannenden Mini-Thriller geschrieben. Dazu verblüfft `Sonst tot` mit einem Ende, das man nicht voraussehen konnte.

                                                       












Freitag, 8. Mai 2020

Rezension: `Marta schläft` von Romy Hausmann




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Spannend mit Gänsehautfeeling !!!











Nach schockierenden Ereignissen in ihrer Familie endet Nadjas Kindheit abrupt, als sie wegen Mordes zu sechs Jahren Gefängnis verurteilt wird.

Nadja ist heute eine graue Maus und anscheinend für manche Menschen das perfekte Opfer. Als sie von einer alten Freundin gebeten wird, zu helfen, einen Mord zu vertuschen, macht sie das, doch es kommt alles anders, als sie denkt.
Jemand hat ein bizarres Spiel für sie vorbereitet: Wir spielen Gericht!


Romy Hausmann hat mich nach `Liebeskind` auch mit ihrem zweiten Thriller begeistern können.
Ihr Schreibstil gefällt mir sehr und ich hatte auch keinerlei Schwierigkeiten, gut in die Story hineinzukommen. Sie schreibt in kurzen Kapiteln, jedoch zeigen die Überschriften immer an, wo wir uns befinden, sodass ich es nicht verwirrend fand. Ich habe am Anfang Nelly und Nadja mal verwechselt, aber das war es auch schon.

Die Geschichte selbst ist außergewöhnlich und ereignisreich und immer neue Ver- und Entwicklungen halten den Spannungsbogen dauerhaft oben.
Ich hatte öfter einen Verdacht, aber nichts davon hat sich bestätigt, was das Ganze natürlich noch  nervenzerreißender macht.
Des Öfteren überkam mich eine Gänsehaut beim Lesen und das ist ja auch das, was einen guten Psychothriller ausmacht.
Obwohl manche Nebenhandlungen fast überflüssig sind, weil sie nicht unbedingt mit der Geschichte zu tun haben, machen sie doch neugierig und lassen sich gut lesen.

Raffiniert werden die einzelnen  Geschehnisse am Ende zu einem großen Ganzen verknüpft und es bleiben keinerlei Fragen mehr offen.
Von mir gibt es eine ganz klare Leseempfehlung für `Marta schläft!!!`












Ich danke dem DTV Verlag für die Zusendung des Rezensionsexemplares.



















Mittwoch, 6. Mai 2020

Rezension: `Der Funke des Lebens` von Jodi Picoult

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Etwas gewöhnungsbedürftiger Aufbau!














Auch diesmal sich Jodi Picoult wieder an ein brisantes Thema herangewagt. Abtreibung in den USA- in manchen Staaten unter Umständen geduldet, in anderen strengstens verboten.
Hugh McElroy wird als Unterhändler zu einer Geiselnahme in eine Frauenklinik gerufen. Als er beginnt, mit dem Geiselnehmer zu verhandeln, bekommt er die erschreckende Nachricht, dass sich seine Tochter Wren unter den Geiseln befindet.

 Ich liebe die Bücher von Jodi Picoult, weil sie die Geschichte meist aus verschiedenen Blickwinkeln erzählt.
Bei `Der Funke des Lebens` fand ich es allerdings etwas verworren. 
Der Aufbau der Handlung war für mich sehr gewöhnungsbedürftig, er ist nicht im üblichen Sinne chronologisch, sondern beginnt um 17 Uhr, wenn quasi schon alles zu Ende ist.
Die Kapitel laufen rückwärts und gehen stundenweise zurück. 17 Uhr, 16 Uhr, 15 Uhr usw. Das hat mir nicht wirklich gefallen. Vor allem hat es erstmal mehrere Kapitel gebraucht, bis ich das kapiert hatte. Dazu kommt, dass sehr viele verschiedene Personen vorgestellt werden, das fand ich zusammen mit den rückwärts laufenden Kapiteln etwas too much.

Die Kernfrage ist aber: Abtreibung ja oder nein? Die Geiseln sitzen in der Klinik fest, alle aus verschiedenen Gründen und jede von ihnen hat eine Geschichte. Doch was treibt den Geiselnehmer überhaupt an?
Fragt man sich während des Lesens, was die verschiedenen Handlungsstränge miteinander zu tun haben, darf man sich auf das letzte Kapitel- 18 Uhr und ein überraschendes, gut ausgetüfteltes Ende freuen. Das hat mich wirklich wieder versöhnt mit dem beschwerlichen Anfang.

Allerdings konnte `Der Funke des Lebens` mich lange nicht so fesseln, wie viele ihrer anderen Bücher. Da gibt es weitaus spannendere Romane von Jodi Picoult.





                                                             




  Ich danke dem C. Bertelsmann Verlag  für die Zusendung des Rezensionsexemplares.

Samstag, 2. Mai 2020

Rezension: `Leben` von Uwe Laub

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Was für ein Pageturner!!!!!















Ein unerklärliches Artensterben versetzt die Menschen in Schrecken. Anscheinend hat niemand eine logische Erklärung, warum Massen an verschiedenen Tieren plötzlich dahingerafft werden und vom Aussterben bedroht sind.
Der Protagonist des Buches ist der Pharmareferent Fabian Nowack, der von einem Tag auf den anderen plötzlich extrem altert. Er soll an der seltenen Krankheit `Werner-Syndrom` leiden und wird überredet, als Proband an einer Medikamentenstudie teilzunehmen. Da seine Lebenserwartung in diesem Stadium der Krankheit sonst nur noch Wochen beträgt, lässt er sich darauf ein.


Durch eine Wissenschaftlerin, die im Amazonasgebiet arbeitet, ein skrupelloses Pharmaunternehmen und einen geheimen Club, der der Überpopulation auf der Erde den Kampf angesagt hat, erfahren wir, in verschiedenen Handlungssträngen, mehr über das rätselhafte Altern der Menschen, das von jetzt auf gleich zu kommen scheint.


Uwe Laub hat einen atemberaubenden Thriller geschrieben. In der heutigen Zeit, mitten in der Corona Pandemie, kommt das, was er schreibt, erschreckend realistisch rüber.
Hätte ich den Roman vor einem Jahr gelesen, hätte ich ihn für einen guten Wissenschaftsthriller gehalten, aber nun in unserer "neuen Realität", ist `Leben` mit seiner spannenden Story, nahezu  beängstigend.
Man kann richtige Beklemmungen beim Lesen bekommen und fragt sich, wie der Autor auf solche genialen, und im ersten Moment bizarren, Szenarien kommt, zumal er mit dem Buch 2016 begonnen hat.
Ich war seit langem von keinem Buch mehr so gefesselt wie von `Leben`, konnte es nicht aus der Hand legen. Ihr seht, meine Begeisterung sprüht gerade über!!

Für mich ist `Leben` der mit Abstand beste Thriller von Uwe Laub und zudem aktueller denn je.





        Ich danke dem Heyne Verlag für die Zusendung des Rezensionsexemplares.

Dienstag, 28. April 2020

Rezension: `Katharsis` von Michael Reh

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Ein erschütterndes Familiendrama!















Max, erfolgreicher Fotograf in NY, führt ein Leben auf der Überholspur, das neben der Arbeit auch von Drogen und Alkohol bestimmt wird. Alles ändert sich, als er einen Anruf aus Deutschland erhält. Sein Zwillingsbruder Nikolas hat zwei alte Menschen umgebracht, Tante Martha und Onkel Erich, die Verwandten der Jungen.
Max fliegt nach Deutschland und will seinem Bruder, den er zwanzig Jahre nicht gesehen hat, helfen.

 Während seines Aufenthalts in Deutschland erfährt Max grauenvolle Dinge und will trotzdem nicht zulassen, dass die Vergangenheit ihn einholt.
Er geht erst einmal zurück nach NY, doch er merkt dort so langsam, dass auch mit ihm irgendetwas nicht stimmt.

Michael Reh hat ein ergreifendes Buch geschrieben. Er deckt den Missbrauch in der Familie auf. Dabei denkt man ja fast immer nur an Männer, aber ein großer Prozentsatz der Täter sind Frauen. Hier wird auch erschreckend real beschrieben, was die Täterin den Kindern angetan hat und wie eine Kinderseele damit fürs ganze Leben gezeichnet ist.
Nikolas gilt seit der Kindheit als psychisch krank und niemand hat sich wirklich Mühe bemacht, herauszufinden, was den einst fröhlichen Jungen von einem Tag auf den anderen so verändert hat.
In den 70er Jahren war Missbrauch ein Tabuthema, das weiß ich aus meiner eigenen Jugend. Mütter und Väter hielten es oft für nicht  glaubhaft, wenn Kinder etwas erzählten. Gott sei Dank ist das heute anders!

Der Autor schreibt sehr bildhaft und durch schnellen Szenenwechsel, viele Rückblenden und verschiedene Blickwinkel entsteht vor den Augen des Lesers ein komplexes Drama.

`Katharsis` ist ein verstörender Roman, der mich betroffen zurücklässt und mir sicher noch lange im Gedächtnis bleiben wird. 



                                                             

Ich danke dem Acabus Verlag  für die Zusendung des Rezensionsexemplares.

Samstag, 25. April 2020

Rezension: `Im Namen der Lüge` von Horst Eckert

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Politthriller vom Feinsten !!














Melia Khalid, Leiterin des Referats für Linksextremismus beim Inlandsgeheimdienst, wird ein geheimes Papier in die Hände gespielt, auf dem sogenannte RAF Rentner zu einem erneuten Kampf aufrufen.
Obwohl alles dafür spricht, dass das Papier echt ist, traut Melia dem Ganzen nicht.

In einem anderen Handlungsstrang lernen wir Hauptkommissar Vincent Che Veih kennen, der einen Mordfall im Kreise der Reichsbürger untersucht. Er hat es nicht immer leicht in seiner Position, denn seine Mutter saß jahrelang im Gefängnis, weil sie aktives Mitglied der RAF war.


Zunächst haben beide Ermittlungen scheinbar nichts miteinander zu tun, doch bei einem weiteren Mordfall finden Vincent und Melia eine Verbindung heraus.

Je tiefer die beiden in die Materie eintauchen, desto schlimmer werden die Erkenntnisse. Die Sache zieht viel weitere Kreise, sogar bis hinauf in die höchsten Ebenen der Ministerien.

Horst Eckert hat einen außergewöhnlich spannenden Thriller mit hochbrisanten Themen geschrieben.  


Es geht um die AFD, RAF, Antifa, Reichsbürger und um Verschwörungen und Machenschaften im Geheimdienst.
Es geht um bevorstehende Wahlen, um Posten schachern und um Vertuschung von Straftaten. Da scheint jedes Mittel recht zu sein, egal ob legal oder nicht.

Obwohl die Story fiktiv ist, habe ich keinerlei Probleme bei der Vorstellung, es könne sich in Wirklichkeit so zugetragen haben und dass die Zeitungen gierig alles schreiben, was ihnen quasi diktiert wird, fand ich extrem erschreckend.
Die beiden Protagonisten waren  trotz Ecken und Kanten sehr sympathisch und kamen absolut glaubhaft rüber, auch wenn ich manche ihrer Handlungen nicht immer ganz nachvollziehen konnte.

`Im Namen der Lüge` ist ein raffiniert  ausgearbeiteter Politthriller vom Feinsten, den ich trotz seiner knapp 600 Seiten regelrecht verschlungen habe.




      

Dienstag, 21. April 2020

Rezension: `Die Schwestern vom Ku`damm- Tage der Hoffnung` von Brigitte Riebe

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Ein gelungener Abschluss der Thalheim- Trilogie!!!










Der dritte Band der Trilogie handelt von der jüngsten der Thalheim Schwestern, dem Nesthäkchen Florentine.
Nach ihrem Aufenthalt in Paris kehrt sie nach Berlin zurück und will doch nur eins: Malen, malen malen. Sie ist fest entschlossen, in Berlin Kunst zu studieren. Nach einigen Anläufen gelingt es ihr auch, aber vorher heißt es, einige Hürden zu überwinden.

Florentine geht ihren eigenen Weg, der oft steinig ist, doch dadurch wächst sie vom aufsässigen Teenager zu einer selbstbewussten jungen Frau heran. Nur mit der Liebe will es lange Zeit nicht so recht werden, aber Florentine wäre nicht Florentine, wenn sie aufgibt, nur weil etwas nicht auf Anhieb klappt. 

Natürlich treffen wir auch die anderen Familienmitglieder wieder und erfahren, was es Neues von ihnen gibt.
Familiengeheimnisse, die lange Jahre im Verborgenen geschlummert haben, werden endlich aufgedeckt.
Obwohl ich die ersten beiden Bände schon kenne, hatte ich zuerst Schwierigkeiten mit den Personen, weil mich die vielen ähnlich klingenden Namen  etwas verwirrten. Auch die Familienverhältnisse hatte ich nicht mehr so genau auf dem Schirm und musste öfter zurückblättern, um zu gucken, wer war denn nochmal wer? Ein Personenregister hätte ich sehr hilfreich gefunden, vielleicht auch für Leser, die die ersten Bände noch nicht kennen.

 Ansonsten ließ sich der Roman wieder gut lesen, eine flott geschriebene Familiengeschichte voller realer historischer Ereignisse. Der Mauerbau, der Besuch Kennedys in Berlin, Flucht aus der DDR, die Beatles in Hamburg usw.
Zudem spielen viele berühmte Persönlichkeiten eine Rolle. Man trifft sich bei Rut Brandt zum Kaffee, `die Dietrich` ist als Gast bei `Stimmen`, der Sendung von Schwester Silvie, und Horst Buchholz tanzt Twist auf einer Party, auf der auch Hansjörg Felmy zugegen ist.

 Ihr seht, es gibt jede Menge Neuigkeiten bei den Thalheims.
Der dritte und letzte Band der `Die Schwestern vom Ku`damm` Trilogie steht den anderen in nichts nach.

                                                                 





  Ich danke dem Rowohlt Verlag  für die Zusendung des Rezensionsexemplares.

Mittwoch, 15. April 2020

Rezension: `Die Hölle war der Preis` von Hera Lind

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Unvorstellbar !!














 Hera Lind erzählt die Geschichte Gisa Steins, die mehrere Jahre im DDR- Gefängnis verbringen musste. Ihr einziger Fehler war, sich zusammen mit ihrem Mann bei einem Fluchtversuch erwischen zu lassen. Somit wurde sie quasi zum Staatsfeind Nr.1, denn Republikflucht war anscheinend für die DDR Führung das schwerste aller Verbrechen.

Es ist einfach unvorstellbar, welche schrecklichen Qualen Gisa aushalten musste. Obwohl man schon oft über die unmenschlichen Behandlungen in DDR- Gefängnissen lesen konnte, machen einen die Beschreibungen der Grausamkeiten aus erster Hand trotzdem fassungslos.
Nicht zu wissen, wie es dem geliebten Mann geht, ob er sie noch liebt oder ob er den Lügen der Stasi glaubt, machte die Haft für Gisa noch unerträglicher.
In Rückblenden erfährt der Leser, wie es in Gisas Kindheit und Jugend zuging und wodurch überhaupt der Gedanke an Flucht in ihr reifte.

 Hera Lind hat die streckenweise mehr als schrecklichen Erlebnisse und Misshandlungen ihrer Protagonistin in eine wirklich gut zu lesende Romanform verpackt.

Was mich am Buch etwas gestört hat, waren die dauernden Wiederholungen. Im Gefängnis gab es jeden Tag die gleichen Rituale oder Befehle der Gefängniswärter. Das wurde auch ausführlich beschrieben. Vielleicht wollte die Autorin damit den öden Gefängnisalltag der Insassen ausdrücken, aber das für mich zu langatmig und ich habe öfter einfach weitergeblättert. 

Insgesamt ist `Die Hölle war der Preis` aber ein lesenswertes Buch, das mir  gut gefallen hat.


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  Ich danke dem Diana Verlag  für die Zusendung des Rezensionsexemplares.

Dienstag, 31. März 2020

Rezension: `Der mutige Weg` von Ellin Carsta

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Endlich geht es weiter mit den Hansens!!







Im fünften Teil der Hansen-Saga bricht Therese mit ihren Kindern von Wien auf, um ihr weiteres Leben mit Robert in Kamerun zu verbringen.
Zuhause in Hamburg versucht Luise herauszufinden, wieso das Kontor trotz guter Geschäfte nicht mehr Gewinn abwirft. Irgendwo scheint da etwas nicht zu stimmen. Doch welches Verbrechen sie mit Hilfe ihres Mannes aufdeckt, ist unglaublich.

In Wien führt Georg Karls Geschäft weiter, nur die Ehe mit Vera gleicht weiterhin einer Tortur.

Plötzlich jagt eine Katastrophe die nächste. In Kamerun wird ein großer Teil der Ernte durch Spinnmilben vernichtet, ein großer Verlust für Roberts Plantage. In Hamburg passiert währenddessen viel Schlimmeres. Etwas so Dramatisches, dass es das Ende für die Firma Hansen bedeuteten könnte. 

Ellin Carsta hat mit `Der mutige Weg` wieder eine spannende Fortsetzung der Familiensaga geschrieben. Es wird auch nie langweilig, weil die Handlung sich in verschiedenen Städten abspielt. Wien, Hamburg und natürlich Kamerun. Das macht es für den Leser so interessant und abwechslungsreich und deswegen fand ich 290 Seiten auch viel zu kurz. 

Inzwischen sind mir die Familienmitglieder richtig ans Herz gewachsen und ich fiebere dem nächsten Band entgegen, der schon im Juni erscheint. Wie wird es weitergehen? Schaffen die Hansens es, die Firma zu retten?

                                       


Montag, 30. März 2020

Rezension: `Die Wächter` von John Grisham


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Packender Justizthriller!!














Cullen Post arbeitet als Anwalt bei Guardian Ministries, einer Organisation, die sich um unschuldig Verurteilte kümmert. Schon einigen Todeskandidaten haben er und seine Mitstreiter das Leben gerettet und nun kümmert er sich um Quincy Miller. Dieser wurde für einen Mord verurteilt, den er nicht begangen hat und sitzt seit 22 Jahren hinter Gittern. Cullen Post versucht, den Fall neu aufzurollen, denn es ist klar, dass einige der Zeugen damals gelogen haben. Bei der Suche nach Beweisen deckt er ein richtiges Komplott auf und bringt sich selbst in große Gefahr.


Immer wieder ein großes Thema ist der Unterschied zwischen Schwarzen und Weißen.
 Ein schwarzer Angeklagter hofft auf eine schwarze Jury, Zeugen zu suchen oder jemanden zum Sprechen zu bringen klappt besser, wenn man die gleiche Hautfarbe hat, die Polizei geht mit Menschen ihrer Hautfarbe anders um usw.

So geriet auch Quincy schnell in die Mühlen der Justiz und konnte sich nicht wehren. Ein schwarzer Angeklagter und ein weißer Sheriff, der ihm etwas in die Schuhe schieben will. Zeugen werden bestochen, Deals ausgehandelt und schon geht alles seinen Gang und er landet lebenslänglich hinter Gittern. Und danach interessiert sein Schicksal niemanden mehr. Damit ist er anscheinend kein Einzelfall und Grisham zeigt in `Die Wächter` genau, wie das Rechtssystem versagt.
Ein bisschen störend fand ich die vielen Namen von eigentlich unbedeutenden Personen, die keine wirkliche Rolle spielten.


John Grisham hat wieder sehr spannend geschrieben, nicht mit solchen raffinierten Pointen, wie man es aus seinen früheren Romanen kennt, aber trotzdem auf andere Art  fesselnd.

Er versteht es einfach wie kein anderer, auch aus einem eher trockenen Thema einen packenden Justizthriller zu machen.






Ich danke dem Heyne Verlag   für die Zusendung des Rezensionsexemplares.