Donnerstag, 27. Dezember 2018

Rezension: `Der Verrat` von Ellen Sandberg

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Der Verrat!!

















Auf den Frauen der Familie liegt ein Liebesfluch, jedenfalls, wenn man der Mutter glauben darf. Bisher scheint es für die drei Schwestern auch zuzutreffen. Nane stürzt von einer unglücklichen Liebe in die nächste, Birgit hat genauso ein Pech und auch bei Pia sieht es nicht so rosig aus. Das ändert sich allerdings, als sie den viel älteren Winzer Thomas kennen lernt, alles scheint sich jetzt zum Guten zu wenden. Wenn sich nicht plötzlich herausstellte, dass er auch mit ihrer Schwester Nane schon zusammen war....



Ellen Sandberg hat mit `Der Verrat` einen fesselnden Roman geschrieben. In verschiedenen Handlungssträngen blickt sie zwanzig Jahre zurück und erzählt aus unterschiedlichen Perspektiven. Dadurch erfährt der Leser immer Stückchen der damaligen Geschehnisse und kann sie wie bei einem Puzzle zusammensetzen. 
Die zahlreichen Sprünge von 2018 zu 1998 machen den Roman für mich zu einem packenden Pageturner. Immer möchte man wissen, wie es weitergeht, doch die Autorin serviert nur häppchenweise.

`Der Verrat´ ist kein Krimi oder Thriller, sondern einfach ein Roman, den ich aber extrem spannend fand. Von der ersten Seite an hat mich das Buch gefesselt, ich konnte es nur schlecht aus der Hand legen.  Die Autorin hat einige Wendungen eingebaut, mit denen man gar nicht rechnete. Vor der Kulisse des idyllischen Weinbergs haben sich anscheinend dramatische Szenen abgespielt. Wieso wurde Nane damals zur Mörderin und wieso kann sie nach ihrer Freilassung aus dem Gefängnis nicht mit der Vergangenheit abschließen? Welches düstere Geheimnis bewahren Pia und Thomas? Lügen, Verrat, Eifersucht, Rache, Neid, Missgunst, Mord, hier ist alles vertreten. Von mir gibt es eine ganz klare Leseempfehlung für diese tragische Familiengeschichte, in der es keine Gewinner gibt!



                                                   


  Ich danke dem Penguin Verlag  für die Zusendung des Rezensionsexemplares.

Freitag, 21. Dezember 2018

Rezension: `Flammen und Seide` von Petra Schier

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Gemütlicher Lesespaß!!


















Die junge Madlen hilft ihrem Vater schon früh im Kontor beim Handel mit edlen Stoffen. Lukas, ihr Freund seit den Kindertagen, wird wegen eines schweren Vergehens angeklagt und muss aus der Stadt fliehen. Madlen ist darüber sehr traurig, vermisst sie ihren Freund doch sehr, oder sind etwa noch andere Gefühle im Spiel? Das kann eigentlich nicht sein, denn schon seit jeher ist es klar, dass sie Peter von Werdt  heiraten wird. Sie mag Peter sehr, auch wenn sie Lukas nie vergessen kann. Doch dann kehrt Lukas Jahre später zurück nach Rheinbach.......

Petra Schier hat einen leicht zu lesenden, historischen Roman geschrieben. Sie hat auch gezeigt, wie schnell man damals zum Verbrecher abgestempelt und verurteilt wurde.
Mir gefällt immer wieder aufs Neue, über das Alltagsleben der Menschen und den Handel im 17. Jahrhundert zu lesen. 



Nicht nur Madlen ist eine sehr sympathische Protagonistin, sondern auch viele der anderen Charaktere haben mir gefallen. Vor allem Madlens Vater denkt für die damalige Zeit besonders fortschrittlich und verlangt nicht von seiner Tochter, eine Ehe einzugehen, nur weil es gut für die Geschäfte und das Ansehen ist.
Es hat Spaß gemacht, in die Geschichte um Madlen und ihre Familie einzutauchen.
 `Flammen und Seide` ist ein entspannter Lesegenuss für gemütliche Stunden.


                                     


Dienstag, 18. Dezember 2018

Rezension: `Blutacker` von Lorenz Stassen

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Ein Thriller. so ganz nach meinem Geschmack!!


















Für den Anwalt Nicolas Meller geht es bergauf. Beruflich erfolgreich und selbstständig mit eigener Kanzlei, privat ist er mit seiner Freundin Nina zusammengezogen, alles scheint perfekt zu laufen.

Ein an ihn adressiertes Päckchen wird unterwegs abgefangen und der Paketbote getötet. Nicolas hat keine Ahnung, was sich darin befunden hat.

Gleichzeitig bekommt er einen neuen Mandanten, einen Baron, von dem er auch direkt eingeladen wird, ein Wochenende im Kreis honoriger Leute zu verbringen.

Erst zu spät merkt Nicolas, dass er in eine Falle getappt ist, aus der er sich nicht so einfach befreien kann.

Lorenz Stassen hat einen spannenden Krimi geschrieben. Es geht um einen Acker, der anscheinend mehr wert ist als ein Menschenleben, es geht um Erpressung, Mord, Intrigen und Nicolas Meller befindet sich plötzlich mittendrin.

Die Story war wie aus dem Leben, ich kann mir sehr gut vorstellen, dass das wirklich so passieren könnte, wenn man sich mit den falschen Menschen abgibt. Unbeabsichtigt könnte man in so ein Dilemma rutschen und dann kann es den Job, die Existenz oder sogar das Leben kosten. Ich hatte richtig Mitleid mit Nicolas, weil er da hineingeraten ist.

`Blutacker` war ganz nach meinem Geschmack, unblutig, aber extrem spannend. Gut ausgedachte Story, sodass man als Leser lange nicht weiß, wer gut oder böse ist, kurze Kapitel, flüssig geschrieben, dazu ein tolles Cover, das schon Lust auf das Buch macht.
Wenn ich mir auch ursprünglich unter `Blutacker` etwas  völlig anderes vorgestellt hatte, hat mich dieser `Blutacker`  nicht enttäuscht. Vielmehr hat er mich richtig begeistert und ich denke, ich werde jetzt den Vorgänger `Der Angstmörder` auch lesen.









Montag, 10. Dezember 2018

Rezension: `Raubkind` von Dorothee Schmitz-Köster

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Bewegendes Schicksal, leider kein Einzelfall!!


















Klaus wurde als Kind adoptiert und nahm bisher an, dass seine Eltern früh gestorben sind. Er ist bereits 75 Jahre alt, als er von einer Journalistin angeschrieben wird, weil sie vermutet, dass er damals aus einer polnischen Familie geraubt und nach Deutschland verschleppt wurde.
Zuerst will er gar nicht darüber nachdenken, doch dann lässt er sich darauf ein und die Journalistin findet bei ihren Nachforschungen einiges heraus.
 Als blondes, blauäugiges Kind wurde er als 5 jähriger aus seiner polnischen Familie herausgerissen. Himmler war der Meinung, wenn gutes Blut vorhanden ist, sei es legitim, die Kinder zu rauben und in deutschen Familien großzuziehen. Dabei war es gleichgültig, aus welchen Ländern sie kommen, solange sie arisches Aussehen hatten. Dazu wurden genaue Rassenprüfungen durchgeführt und eine Rassenkarte erstellt. Sollten die Kinder den Test nicht bestehen, durften sie nicht etwa in ihre Familien zurückkehren, sondern kamen in ein Sammellager.
Klaus hatte das `Glück` aus dem Lebensborn- Heim von der Familie des SS-Offiziers Schäfer adoptiert zu werden. Nach seiner Herkunft hat er nie gefragt, ihm wurde gesagt, seine Eltern seien tot und daran hat er nie gezweifelt.
Umso mehr entsetzt es ihn, als er nun die Wahrheit über seine Familie und seine Herkunft herausfindet.

Das Buch lässt sich an manchen Stellen etwas mühsam lesen, weil keinerlei wörtliche Rede vorhanden ist.
Trotzdem ist das Thema hochinteressant, auch wenn ich schon vieles aus der Zeit und auch über Lebensborn gelesen habe.
Die Autorin hat eine sehr gute Mischung aus Klaus` persönlichem Schicksal und geschichtlichen Tatsachen geschaffen.
Wie abgebrüht musste man sein, um kleine Kinder einfach aus ihren Familien zu reißen, ohne Rücksicht auf irgendjemanden.
Aber darüber braucht man ja gar nicht sprechen, denn es ist doch klar, dass den Verantwortlichen im Krieg jegliche Empathie fehlte. `Raubkind` ist ein berührendes Buch, das mich anschließend noch einige Zeit beschäftigt hat.

                             




Ich danke dem  Herder Verlag für die Zusendung des Rezensionsexemplares.