Montag, 6. Juli 2020

Rezension: `Die Fliederinsel` von Sylvia Lott

* * * * *
Beeindruckende Geschichte !



















Als Celia auf ein altes Foto stößt, das ein Häuschen in Dänemark zeigt, will sie plötzlich mehr über ihre Vorfahren herausfinden. Sie hört, dass das Haus an Urlaubsgäste vermietet wird, überlegt nicht lange und fährt auf die Insel Fünen.
Gleich am ersten Tag entdeckt sie in einem Verschlag ein altes Gemälde, das sie der Eigentümerin Inger zeigt. Es handelt sich um ein lange verschollen geglaubtes Bild von Ingers Mutter, der Malerin Ruth Liebermann.


 Um Ruths Geschichte zu erzählen, entführt Sylvia Lott den Leser in die Jahre um den zweiten Weltkrieg. Zusammen mit ihrem Mann Jakob muss Ruth aus Nazi Deutschland flüchten.
Eigentlich sollte Amerika das Ziel sein, doch nur Dänemark war bereit, die Juden aufzunehmen. Das Land war bekannt dafür, Juden nicht zu verfolgen.


Ich habe schon viele Romane über Judenverfolgung gelesen, doch ich wusste wenig über die Rolle Dänemarks im Krieg.
Die Autorin hat gründlich recherchiert und dem Leser die damaligen Verhältnisse wirklich nahe bringen können.
Auch die Emotionen hat sie gut eingefangen, denn obwohl Ruth und Jakob in Deutschland ein schreckliches Schicksal erwartet hätte, ist in Dänemark nicht alles eitel Sonnenschein.

 Während Ruth gleich loslegt und sich mit der neuen Situation auseinandersetzt und für ein halbwegs gutes Auskommen kämpft, hadert Jakob mit dem Schicksal und wird immer in sich gekehrter.
Eine Zeit lang können sie dort unbehelligt, fast normal leben, doch irgendwann sind sie auch in Dänemark nicht mehr sicher.

Ich fand Ruths und Jakobs Geschichte mega spannend, aber auch beklemmend, denn die Angst, entdeckt zu werden, wird so perfekt beschrieben, dass ich sie während des Lesens fast spüren konnte.

Sylvia Lott schreibt so bildhaft, ich sehe die Fliederfelder, die Gemälde, das Häuschen und auch die Personen genau vor mir. Bisher habe ich mir noch nie Gedanken über die jüdischen Kinder, die im Krieg zurückgelassen oder verschickt wurden, gemacht. In `Die Fliederinsel` lesen wir, wie schwierig es war, nach längerer Zeit wieder Zugang zu den kleinen Kindern zu bekommen. Manchen Familien ist es nie mehr gelungen und das alles ohne eigene Schuld.
Zum Schluss gibt es noch ein Highlight für den Leser, in dem die losen Fäden aus beiden Zeitebenen miteinander verknüpft werden.
Ich konnte zwei Tage ganz in die Geschichte eintauchen, dann hatte ich leider ausgelesen, aber `Die Fliederinsel` wirkt sicher noch einige Zeit nach.





Ich danke dem Blanvalet Verlag für die Zusendung des Rezensionsexemplares.

Freitag, 3. Juli 2020

Rezension: `Eine Liebe zwischen den Fronten` von Maria W. Peter

* * * *
Eine Liebe zwischen den Fronten!














Mitten in die Verlobungsfeier von Paul und Madeleine platzt ein Soldat mit Pauls Einberufungsbefehl. Der Deutsch- Französische Krieg hat begonnen!! Damit stehen die Liebenden ab sofort auf gegnerischen Seiten. Madeleine flieht kurzerhand mit ihrem Vater nach Metz und Paul zieht für Preußen als Militärarzt in den Krieg.

Von nun an fndet sich der Leser meistens an Kriegsschauplätzen wieder, mitten in Schlachten oder in Lazaretten.
Im Vordergrund steht eindeutig das Kriegsgeschehen und weniger die Liebesgeschichte.

Mehrere Kapitel drehen sich um die Erlebnisse von  Madeleines Bruder Clement, einem Pariser Kommunarden, um die schwarze Djamila, die für Madeleines Mutter arbeitet und ihren Bruder Karim, der als Algerier für Frankreich kämpft.
Die Perspektiven wechselten für mich etwas zu oft und zu abrupt, sodass ich manchmal gar nicht so schnell mitbekam, dass wir uns schon wieder woanders befinden.

Madeleine bangt um ihren Verlobten, weiß nicht, ob er noch lebt, weil überhaupt keine Nachrichten verschickt werden können. Paul geht es genauso, beide arbeiten bis zur Erschöpfung in einem Kriegslazarett, nur auf verschiedenen Seiten. Was sie dort erleben, ist bedrückend und streckenweise sehr erschreckend.
Maria W. Peter hat die historischen Ereignisse von 1870/71 , hervorragend recherchiert. Sie schont den Leser nicht, redet nichts schön, sondern konfrontiert ihn erbarmungslos mit den grausamen Tatsachen des Krieges. Die ganzen Entbehrungen, der Kummer, das unendliche Leiden und Sterben der Verletzten, der gegenseitige Hass, aber auch die immer größer werdende Angst, werden atmosphärisch dicht und auch fesselnd erzählt.


Trotzdem war dieses detailreiche Beschreiben des Kriegsgeschehens für mich insgesamt zu viel, sodass ich des Öfteren mal quergelesen habe. 




                                                       




Ich danke dem Bastei Lübbe Verlag für die Zusendung des Rezensionsexemplares.

Dienstag, 30. Juni 2020

Rezension: `Zappeduschder` von Jacqueline Lochmüller

* * * *
Der zweite Fall für Kommissarin Herbich !!!


















Ein Mann wird beim Tanzen von einer Unbekannten erstochen. Bei den Ermittlungen lernt Kommissarin Kristina Herbich den attraktiven Philip kennen und verliebt sich. Und zwar so sehr, dass sie die weitere Morduntersuchung ihrem Kollegen Breuer überlässt und ein paar Tage zu dem Mann ins Saarland fährt.


In einem anderen Handlungsstrang geht es um Entführung und Mord, und plötzlich befindet sich Kristina in ihrem Urlaub mitten in den Ermittlungen der Mainzer Kollegen.

Allerdings empfand ich Kristina als Polizeibeamtin ausgesprochen naiv und unvorsichtig, wodurch sie selbst in große Gefahr gerät.
Die ausführlichen Beschreibungen aus ihrem Privatleben störten mich diesmal etwas, weil dadurch die spannende Handlung immer wieder unterbrochen wurde.

Trotz dieser kleinen Kritikpunkte war es insgesamt ein netter, gut lesbarer Krimi mit sehr viel Lokalkolorit und einigen nicht vorhersehbaren Wendungen.


                                 




.Ich danke dem Emons Verlag für die Zusendung des Rezensionsexemplares.

Mittwoch, 24. Juni 2020

Rezension: `Der Fahrer` von Andreas Winkelmann

* * * * *
#FINDEMICH


















Dies war mein erstes Buch von Andreas Winkelmann und es handelt sich, wie ich dann erst merkte, um eine Reihe. Trotzdem hatte ich aber keinerlei Schwierigkeiten, ohne Vorkenntnisse in die Story hineinzufinden.

Junge Frauen werden entführt und die Polizei bekommt 24 Stunden Frist, sie zu finden. Unter dem Hashtag #findemich erhalten sie Nachrichten vom Entführer, doch er scheint ihnen immer eine Schrittlänge voraus zu sein.
Die jungen Frauen waren alle aktiv bei Instagram und posteten fleißig Fotos. Ist der Täter unter den Followern zu finden?

Zusätzlich hat man den Eindruck, dass sich jemand an Kommissar Jens Kerner rächen will, denn alle Hinweise deuten auf ihn.
Vielleicht jemand, den er hinter Gittern gebracht hat oder Angehörige eines Verurteilten? Jens tappt, genauso wie seine Kollegen im Dunkeln.

 Jens Kerner und sein Team ermitteln in alle Richtungen, haben auch schon verschiedene Verdächtige verhört, aber der große Durchbruch gelingt ihnen nicht. Was hat der Fahrdienst Mac Driver damit zu tun? Und wieso taucht plötzlich Jens` Bruder hier auf?

Andreas Winkelmann hat einen packenden Thriller geschrieben, gut austüftelter Plot und kurze Kapitel, von denen viele mit einem Cliffhanger enden. Der Leser wird ordentlich in die Irre geführt, immer wenn man meint, den Täter zu erkennen, ergibt sich wieder eine neue Wendung.
Teilweise wird auch aus der Sicht der entführten Frauen erzählt, was mir schon den einen oder anderen Schauer über den Rücken laufen ließ. Andreas Winkelmann schreibt in modernem Stil, flott, lebendig und temporeich, sodass keine Sekunde Langeweile aufkam.
Ein mulmiges Gefühl bei der nächsten Taxifahrt bleibt, glaube ich, nicht aus. Unbedingte Leseempfehlung für meinen ersten Winkelmann- Thriller.

                                                                               

Ich danke dem  Rowohlt Verlag  für die Zusendung des Rezensionsexemplares.

Sonntag, 21. Juni 2020

Rezension: `Der nahende Sturm` von Ellin Carsta


* * * *
Große Aufregung bei den Hansens!!











Robert und Therese mussten abrupt aufbrechen und von Kamerun nach Hamburg reisen, denn im Kontor sind schlimme Dinge passiert. Es geht um die Existenz der ganzen Firma !!

 Elisabeth versucht mit allen Mitteln, die Hansens zu vernichten. Eine große Hilfe ist ihr dabei Richard, der seinerseits Rache üben will.
Jetzt zeigt sich wieder, dass der Rest der Familie zusammen hält. Sofort kommen sie aus der ganzen Welt zusammen, um gemeinsam für den Erhalt der Firma zu kämpfen. Doch werden sie es schaffen, gegen, die inzwischen mächtige, Elisabeth anzukommen?

Bei Luise und Hans läuft diesmal auch privat nicht alles so harmonisch wie bisher, und Martha merkt endlich, dass sich nicht alles nur um sie drehen muss, damit sie glücklich werden kann.

Während Robert in Hamburg ist, vertritt Hamza ihn in Kamerun, so gut er kann, was vielen Weißen gar nicht passt.
Dass er als Einziger weiß, wie man die lästigen Spinnmilben vertreibt, bringt sie noch mehr gegen ihn auf.
Hamza sitzt ein wenig zwischen den Stühlen, die Weißen akzeptieren ihn nicht wegen seiner Hautfarbe und seine Stammesbrüder werfen ihm vor, sich wie ein Weißer zu verhalten.


Wieder habe ich nur einen Sonntag gebraucht, um den sechsten Hansen-Teil `Der nahende Sturm`  zu lesen. Abgesehen von der Handlung wird das Buch durch die wechselnden Schauplätze und die vielschichtigen Charaktere zu einem kurzweiligen Lesevergnügen.
Trotzdem fand ich die vorigen Bände noch ein klein wenig spannender, weil diesmal manche, eher nebensächliche Ereignisse für mich zu ausführlich behandelt wurden.
Aber wie immer haben mich die Hansens gut unterhalten können und ich freue mich auf den nächsten Band, der dann leider auch der letzte der Reihe sein wird.



                                               
Ich danke Netgalley.de für die Zusendung des Rezensionsexemplares.

Montag, 15. Juni 2020

Rezension: `Das wirkliche Leben` von Adeline Dieudonné

* * * * *
Verstörender, aber fesselnder Roman !!














Das Mädchen lebt mit ihren Eltern, ihrem Bruder und den `Kadavern` in einem schönen hellen Haus am Waldrand.

Die Mutter, von ihr immer als Amöbe bezeichnet, schweigt, kocht das Essen und kümmert sich ansonsten um ihre Zwergziegen. Der Vater, ein gewalttätiger Koloss, trinkt Whiskey, guckt Fernsehen und liebt den Rausch der Jagd. Für seine Jagdtrophäen hat er ein eigenes Zimmer eingerichtet, das Kadaverzimmer. Seine Macht demonstriert er gerne zuhause und lässt seine Wut an der Amöbe aus, die das genauso wie alles andere, einfach hinnimmt.
Es ist schwierig, diesen Roman zu beschreiben. Eine bedrückende, verstörende Erzählung aus der Sicht eines jungen Mädchens, geschrieben in der Ich- Form.

Der Leser kann förmlich ihre Angst spüren, wenn sie dem Vater entgegen tritt. Vor allem, als sie älter wird und ihr Körper fraulichere Formen bekommt, muss sie sich noch mehr vor ihm und seinen lüsternen Blicken in Acht nehmen. Man leidet mit ihr, wenn sie um ihren kleinen Bruder fürchtet, der abartige Dinge tut. Der Leser erfährt von ihren Sehnsüchten, den Qualen und dem Grauen, wenn sie an die Kadaver denkt. Aufmüpfige Gedanken werden vom Vater gleich im Keim erstickt, wenn nötig, auch mit Gewalt. Doch das Mädchen kämpft und versucht aus eigenen Stücken mehr aus ihrem Leben zu machen. Sie will kein Opfer sein, keine Beute! Von der Amöbe ist keine Hilfe zu erwarten, das Mädchen muss sich selbst helfen.


 Adeline Dieudonnés Schreibstil ist nüchtern und schnörkellos, jedoch sehr ausdrucksstark. Die düstere, trostlose und bedrückende Atmosphäre hat die Autorin perfekt eingefangen.
Obwohl es keinerlei wörtliche Rede gibt, was ich eigentlich gar nicht mag, fesselte mich `Das wirkliche Leben`  von der ersten bis zur letzten Seite.
Eine ganz klare Leseempfehlung für diesen außergewöhnlichen, brillant geschriebenen Roman.

             



Ich danke dem DTV Verlag für die Zusendung des Rezensionsexemplares.

Freitag, 5. Juni 2020

Rezension: `Im grausamen Licht der Sonne` von Nalini Singh


* * * * *

Sehr spannend!!














Anahera kehrt nach dem Tode ihres Mannes zurück in ihrem Heimatort Golden Cove. Sie muss nicht nur den Verlust verarbeiten, sondern auch mit einem schlimmen Betrug fertig werden.
Doch die ersehnte Ruhe bleibt aus, denn direkt in den ersten Tagen verschwindet ein junges Mädchen, die überall beliebte Miriama. Zuerst geht man von einem Unfall aus und der ganze Ort hilft bei der Suche, doch das Mädchen bleibt verschwunden. Man muss inzwischen von einem Verbrechen ausgehen und es ist klar, dass der Täter nur aus Golden Cove kommen kann. Sofort werden Erinnerungen an die drei Wanderinnen wach, die vor Jahren hier verschwunden sind.
Der Polizist Will organisiert die Suche und zusammen mit Anahera versucht er mehr über das Vorleben der Dorfbewohner herauszufinden.
 Es scheint, als hätte bald jeder Dreck am Stecken und rutscht damit  automatisch auf die Liste der Verdächtigen. Für Anahera unvorstellbar, denn mit den meisten von ihnen ist sie zusammen aufgewachsen und vertraut ihnen.
Ich habe von Nalini Singh bisher noch nichts gelesen, da sie meist Fantasy Romane schreibt. Nun ist ihr erster Thriller erschienen und ich bin begeistert.
Für mich ist es ein Mittelding zwischen Thriller und Krimi, denn viel Zeit wird mit normaler Polizeiarbeit verbracht. Die Alibis werden überprüft, das Vorleben der Bewohner durchleuchtet und eventuelle Lügengeschichten aufgedeckt.
Auch die verschwundene Miriama hatte ihre Geheimnisse, die bald alles in einem anderen Licht scheinen lassen. Irgendwann ist es so, dass man seinem besten Freund nicht mehr traut, weil jeder irgendwie verdächtig ist.

Ein packender Schreibstil, kurze Kapitel, von denen viele mit einem Cliffhanger enden und interessante, spannende Verwicklungen haben es geschafft, dass ich das Buch kaum aus der Hand legen konnte.
                                               




   Ich danke dem Droemer Knaur Verlag und Netgalley für die Zusendung des Rezensionsexemplares.

Freitag, 29. Mai 2020

Rezension: `Ostseegruft` von Eva Almstädt


* * * * *

Spannender Ostseekrimi!!











Als die Kommissarin Pia Korritki am Grab ihrer Freundin steht, fällt ihr ein Mann auf, der behauptet, Kirstens Tod sei kein Unfall, sondern Mord gewesen. Als Pia nachhaken will, ist er verschwunden. Eigentlich wurde der Unfall bei der Polizei schon zu den Akten gelegt, aber Pia lässt es keine Ruhe. Sie versucht herauszufinden, was wirklich passiert ist und ob an dem Vorwurf etwas dran sein könnte.
Befragungen der Nachbarn, Freunde und der Familie der Toten bringen sie Stückchen für Stückchen weiter.

Zur Hilfe kommt ihr aber der Zufall, als eine zwanzig Jahre lang verschüttete Leiche unter einem einsturzgefährdeten Haus auftaucht. Pia sieht Verbindungen zwischen den Fällen, doch was sie herausfindet, ist eine weitaus größere Sache, als sie bisher angenommen hat.

Pia ist zudem eine sympathische Protagonistin, für die es als alleinerziehende Mutter nicht immer so einfach ist, alles unter einen Hut zu bringen. Ich kannte bisher erst einen Krimi aus der Reihe und das ist schon einige Jahr her. Trotzdem war es überhaupt kein Problem, sofort einzusteigen. Ich ärgere mich nur, dass ich die anderen Bände verpasst habe, aber das lässt sich ja nachholen.

Ich mag diese Art von Krimi total gerne. Wenig Blutvergießen, viel Polizeiarbeit, Recherche und keinerlei übertrieben reißerische Szenen. Hier hat Pia es mit einem sehr undurchsichtigen Fall zu tun und ich hatte fast in jedem Kapitel einen neuen Verdächtigen ausgemacht. Doch leicht macht es einem die Autorin nicht mit vielen unvorhergesehenen Wendungen, sodass sie mich am Ende doch überraschen konnte.

`Ostseegruft` war für mich von Anfang bis Ende spannend, ganz klare Leseempfehlung !!


                                         




Ich danke dem Bastei Lübbe Verlag für die Zusendung des Rezensionsexemplares.