Freitag, 17. Januar 2020

Rezension: `Vergib uns unsere Schuld` von Hera Lind


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In den Fängen der Kirche!
















Früher habe ich die Bücher von Hera Lind verschlungen, aber nachdem ich so enttäuscht von `Die Champagnerdiät` war, habe ich mir geschworen, nie wieder eins von ihr zu lesen. Nun ist ja etwas Zeit ins Land gegangen und ich sah Hera Lind vor ein paar Tagen in einem Interview und bekam doch wieder Lust, zumal sie inzwischen ganz andere Romane schreibt.

`Vergib uns unsere Schuld` handelt von der dreifachen Mutter Carina, die schon mit Ende Dreißig Witwe wird. Auf der Suche nach einem Kreuz für ihre Wohnung begegnet sie Pater Raphael von Ahrenberg und findet Trost in den Gesprächen mit ihm. Seit er ein junger Mann ist, lebt Raphael im Kloster und hat sich dem Zölibat verpflichtet. Bisher ging er ganz in seinem Beruf auf, doch bei den Unterhaltungen mit Carina entwickelt sich irgendwann mehr als nur Freundschaft und die beiden verlieben sich ineinander.
Hätte Carina gewusst, was nun auf sie zukommt, hätte sie vielleicht direkt Abstand genommen.

Doch es kommt soweit, dass Raphael der Kirche den Rücken kehrt und und den Orden verlassen will.
Nun geht es richtig los, mit allen Mitteln versuchen die Kirchenvertreter, ihn zur Rückkehr zu bewegen, und spannen auch seine Mutter ein, die ihm schreckliche Vorwürfe macht und ihm einen  Gewissenskonflikt verursacht, mit dem er nicht klar kommt.
Dieses dauernde Hin und her stellt das junge Glück auf eine harte Probe, und plötzlich wird Carina schwanger und erwartet Zwillinge....

Es handelt sich um einen, aus Carinas Sicht aufgeschriebenen Bericht, der von Hera Lind zu einem Tatsachenroman verarbeitet wurde. 
Man hört ja oft, dass es fast unmöglich ist, als Pater aus den Fängen der  katholischen Kirche in ein weltliches Leben zurückzukehren. Hier wird auch genau beschrieben, welche Steine Raphael in den Weg gelegt werden. Hinzu kommt sein dauerndes schlechtes Gewissen, der Mutter, der Kirche und zuletzt auch Carina gegenüber. Hin- und hergerissen, immer wieder an den gerade getroffenen Entscheidungen zweifelnd, wird es für alle Beteiligten zur Tortur. Übrigens sehr aufschlussreich, wie die Gemeindemitglieder und der örtliche Pfarrer reagiert haben, da ist von Nächstenliebe so gar nichts zu spüren.


`Vergib uns unsere Schuld` geht einem unter die Haut, und man kann sich während des Lesens sehr gut in Carina hineinversetzen. Hera Linds leichter Schreibstil hat mir gefallen, das Buch ist trotz der Dramatik an vielen Stellen humorvoll und unterhaltsam.

Ob Raphael es schafft, sich endgültig für Carina zu entscheiden? Lest selbst! 

                                                     



Ich danke dem Diana Verlag  für die Zusendung des Rezensionsexemplares.

Sonntag, 12. Januar 2020

Rezension: `Agentterrorist` von Deniz Yücel


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Sehr beeindruckend !!!














Bevor er 2017 in der Türkei inhaftiert wurde, kannte ich Deniz Yücel nicht.
Doch durch die vielen Medienberichte habe ich einiges von #FreeDeniz mitbekommen und die Entwicklungen dann interessiert verfolgt.
Auf der Buchmesse im Oktober 2019 habe ich ihn Live bei einer Diskussionsrunde erlebt und war ziemlich beeindruckt. Daraufhin habe ich dann direkt sein Buch gelesen.

`Agentterrorist` beginnt in der Zeit vor der Festnahme, Deniz Yücel war damals Türkeikorrespondent der „Welt“ und lebte in Istanbul. Zu diesem Zeitpunkt war er noch der Auffassung, ihm könne nicht wirklich viel passieren, wenn er seine Meinung kundtat. Doch das stellte sich als schrecklicher Irrtum heraus.

Nach einem längerem Aufenthalt in Polizeigewahrsam wurde er im März 2017 in das Hochsicherheitsgefängnis Silivri Nr.9 verlegt.

Deniz Yücel berichtet ausführlich, unter die Haut gehend, wie eine Anklage in der Türkei abläuft -  dass Richter und Staatsanwälte meist in der gleichen Wohnanlage wohnen, zusammen im Dienstwagen zum Prozess fahren und dementsprechend auch die Verhandlungen laufen. Für die Urteilsbesprechungen werden die Anwälte aus dem Saal geschickt, die Staatsanwälte bleiben. Es waren extrem viele, für uns unfassbare Dinge, die Yücel erzählt hat. Wäre es nicht so schreckliche Realität, ich hätte es schon fast wie einen Krimi gelesen.

Allerdings habe ich mich mit dem Lesen auch immer wieder schwergetan. Yücel schreibt sehr sprunghaft, kommt vom `Hölzchen auf Stöckchen´, wie man sagt. Gerade berichtet er aus dem Gefängnis, im nächsten Satz  geht es um andere Personen in einem anderen Jahr und im dritten Satz wieder um etwas anderes. Auch wurden sehr viele Leute namentlich genannt, die wohl niemand im Nachhinein noch wirklich auseinanderhalten konnte. Journalisten, Zeitungsmitarbeiter insgesamt, Politiker, Staatsanwälte, Freunde, Richter, Gefängnisinsassen usw. Sicher lag es teilweise auch an den fremd klingenden Namen.
Auf jeden Fall bin ich der Meinung, dass der Stoff  bestimmt für drei Bücher gereicht hätte.

Deniz berichtet über seine Isolationshaft mit den üblichen Schikanen, aber auch über Freundschaft, Liebe und kleine Glücksmomente. Es heißt immer wieder kämpfen, sich nicht hängen lassen, nicht aufgeben.


Durch geschickte Überlistung seiner Wärter und Aufsichtsbeamte schafft er es in der Zeit, ein Buch zu schreiben und es hinauszuschmuggeln. Die Art und Weise, wie er das angestellt hat, ließ mich oft schmunzeln, genau wie einige andere Szenen, was mir zeigt, dass er seinen Humor trotz allem nicht verloren hat.


Streckenweise bewundere ich Yücel, andererseits hätte ich ihn manchmal am liebsten geschüttelt, und ich glaube, seiner Ehefrau ging es ähnlich. Sie hätte ihn sich sicher oft weniger forsch gewünscht -  z.B. duzt der Staatsanwalt ihn einfach, Deniz lässt sich das nicht gefallen, duzt zurück, genau wissend, dass ihm das nicht von Vorteil sein kann. Aber er ist ein Kämpfer und garantiert kein Feigling.

Auch zu verschiedenen Zitaten, die immer wieder im Internet auftauchen, nimmt er Stellung. Es handelte sich damals um Satire, doch was einmal, aus dem Zusammenhang gerissen, geschrieben steht, bleibt so und taucht immer wieder auf.

Ich fand ´Agentterrorist´  hochinteressant, spannend, manchmal erschreckend, manchmal auch durchaus amüsant - vor allem, weil ich mich für dieses Thema vorher nicht sonderlich interessiert habe und ich nun ganz neue Einblicke bekommen habe.


                       


Vielen Dank an den KiWi Verlag  für die Zusendung des Rezensionsexemplares.

Mittwoch, 18. Dezember 2019

Rezension: `Pechmaries Rache` von Carla Berling



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Humorvoller, aber spannender Krimi!!















Auf dem Hellberger Hof sind alle Bewohner verzankt. Mutter und Tochter, Oma und Enkel, Schwester und Bruder, usw. Grausame Szenen haben sich dort abgespielt, bevor zwei Familienmitglieder nacheinander plötzlich zu Tode kommen.
 Beim zweiten Mal sieht alles nach Unfall aus, doch Lokalreporterin Ira Wittekind bohrt nach. Irgendetwas kommt ihr komisch vor und sie wittert sofort eine gute Story.
Dabei hat sie im Moment alle Hände voll zu tun, denn in wenigen Wochen soll endlich die Hochzeit mit Andy stattfinden. Ira ist eine sympathische Protagonistin, eine Frau aus dem Leben, Mitte 50, ein paar Pfunde zu viel, man muss sie einfach mögen.
Carla Berling hat es wieder mal gut verstanden, den Leser ans Buch zu fesseln. Normale Krimis schreibt sie nie, es kommt trotz Mord- und Totschlag immer eine unterhaltsame Geschichte mit viel Lokalkolorit heraus.

  Die beiden alten Tanten mit ihrem  ostwestfälischen Slang und ihren Schnäpskes, machen das Buch zu einem besonders humorvollen Krimi, sie sind sozusagen das i- Tüpfelchen.

Leider hatte ich beim Warten auf die Auflösung die ganze Zeit den Buchtitel im Hinterkopf. Ob er wirklich etwas mit dem Ende zu tun hat, werde ich natürlich nicht verraten.
Eine ganz klare Leseempfehlung für diesen spannenden, etwas anderen Krimi!!!

                                     

  Ich danke dem Heyne Verlag für die Zusendung des Rezensionsexemplares.

Mittwoch, 4. Dezember 2019

Rezension: `Die Prüfung der Händlerstochter` von Ellin Carsta

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Endlich Neuigkeiten von Elisabeth!!















Köln, 1354. Nach Jahren gibt es endlich Neuigkeiten von der Händlerstochter Elisabeth, die inzwischen eine angesehene Tuchhändlerin und Näherin geworden ist. Sie ist so erfolgreich, dass sogar das Haus ihres Vaters bezahlt werden kann, das ihr damals von ihrem Zwillingsbruder Stephen genommen wurde.
Als auch noch Ehemann Rafael von einer langen Handelsreise zurückkehrt, könnte eigentlich alles perfekt sein...

Elisabeth nimmt die misshandelte Marlein bei sich auf und beschäftigt sie als Näherin, was ihr jedoch nur Ärger und neue Feinde bringt.
Zudem kehrt ihr Bruder Stephen voller Hass und Neid zurück nach Köln. Er will Elisabeth unbedingt vernichten und hat dazu einen perfiden Plan.

Ellin Carsta hat mit dem zweiten Teil um die Händlerstochter wieder einen tollen, kurzweiligen historischen Schmöker geschrieben, der mich bestens unterhalten hat.
Elisabeth ist eine starke Frau, die finanziell nicht von einem Mann abhängig sein möchte, was zur damaligen Zeit etwas exotisch war. Immer wieder hat sie neue Ideen, wie sie ihr Geschäft am Laufen halten kann. Man gönnt ihr nach dem vielen Pech aus dem ersten Band, dass sie nun ein glückliches Leben führen kann, doch das weiß Stephen zu verhindern.

Die verschiedenen Handlungsstränge machen es möglich, dass der Leser oft schon im Voraus weiß, was passiert. Man möchte Elisabeth am liebsten warnen, aber das geht ja leider nicht.
In  diesem Roman ist wirklich alles enthalten: Liebe, Freundschaft, Missgunst, Mord, Vergewaltigung und Selbstjustiz.
`Die Prüfung der Händlerstochter` ist  wieder mal ein sehr gut gelungener Roman aus der Feder Ellin Carstas!! Ich hoffe bald auf einen dritten Teil, denn es sind noch ein paar Fragen offen. Deswegen muss es einfach weitergehen!!!!!

                                               

Montag, 2. Dezember 2019

Rezension: `Unbarmherzig` von Markus Kleinknecht



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Spannender Hamburg- Krimi!!!

















Das `Harburger Tageblatt`, der Arbeitgeber von Jan und Charlotte, wird in Kürze eingestellt, somit werden die Mitarbeiter arbeitslos. Für Jan ist es die Gelegenheit, endlich das Buch über Serienmörder zu schreiben, das er schon lange im Kopf hat. Er nimmt seinen Resturlaub und begibt sich direkt auf eine Recherchereise, zumal sich die Beziehung mit Charlotte gerade in einer schweren Krise befindet.
Diese kümmert sich um Gerechtigkeit für eine alte Freundin, der Schlimmes widerfahren ist..
Gleichzeitig wird ein Mörder wieder aktiv, der viele Jahre von der Bildfläche verschwunden war ...

Der Krimi ließ sich gut lesen, doch mir war Charlotte extrem unsympathisch. Ich hatte den Eindruck, bei allem, was sie für ihre Freundin tut, geht es ihr doch immer nur um sich selbst. Was Charlotte möchte, ob in der Beziehung zu Jan oder zu ihrer Freundin, das zieht sie durch, ohne Rücksicht auf Gefühle oder Konsequenzen.
Jan dagegen hat mir gut gefallen, ich fand es auch spannend, wie er an die Recherche für sein Buch herangegangen ist und was er in der Kürze der Zeit herausgefunden hat.

Zwischendurch kommt der Täter selbst zu Wort, der nach 20 Jahren seinen Trieb plötzlich nicht mehr kontrollieren kann. Ich hatte lange Zeit einen Verdacht, um wen es sich handeln könnte, aber oft kommt es anders, als man denkt....
Ein spannender Krimi, der erst langsam Fahrt aufnimmt, aber dann geht es Schlag auf Schlag und endet ziemlich dramatisch.
Den Nachfolgeband gibt es übrigens schon. `Verhängnisvoll` habe ich bereits gelesen und kann das Buch auch empfehlen! Die Rezension dazu findet Ihr  HIER.

                                                 

Mittwoch, 27. November 2019

Rezension : `Das Geschenk` von Sebastian Fitzek

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Nicht sehr realistisch, aber trotzdem spannend!!







Ich bin immer so zwiegespalten bei den  Fitzek Thrillern, manche finde ich mega und andere na, ja....
`Das Geschenk` kam in der limitierten, sehr originellen Verpackung, was mir gut gefiel.
Der letzte Thriller von Sebastian Fitzek `Der Insasse`  hat mich vollkommen begeistert, doch `Das Geschenk` fand ich ein bisschen gewöhnungsbedürftig.
Die Story ist schon etwas konfus und wirr, trotzdem ließ sie sich gut lesen und ich wollte auch unbedingt wissen, wie es weitergeht. 
Aber oft sind die Handlungen des Protagonisten völlig unlogisch und kein einziges Mal wird daran gedacht, die Polizei zu informieren.

Es ist ja gut, wenn ein Autor es versteht, Spannung zu erzeugen, jedoch sind so viele Zufälle nötig, um zu dem gewollten Ende zu kommen, das fand ich schon etwas sehr konstruiert.

Ich bin hin- und hergerissen, weil ich `Das Geschenk` trotz allem spannend zu lesen fand und auch in zwei Tagen durch war, deswegen wohlwollende 4 Sterne.

                                               


Ich danke dem Droemer Knaur Verlag  für die Zusendung des Rezensionsexemplares.

Dienstag, 26. November 2019

Gastrezension: `Kühn hat Hunger` von Jan Weiler

Gastrezension!! 


Die liebe Stephanie Weibel- Wallner hat mir etwas unter die Arme gegriffen und das neue Buch von Jan Weiler gelesen und eine Gastrezension geschrieben.
Vielen Dank dafür !!









Kühn hat Hunger.. im wahrsten Sinne des Wortes. Er fühlt sich nicht mehr attraktiv genug für seine Frau Susanne und auch die Affäre mit seiner Arbeitskollegin Leininger macht das nicht wirklich besser.
Aber zum Glück gibt es ja gerade ein Diätbuch für Männer, der absolute Bestseller des belgischen Autors Ferdie Caparacq. Genau das Richtige für Kühn.
Nur eine Leiche nimmt natürlich keine Rücksicht auf Kühn, da muss er durch und mit seiner Gutmütigkeit und trotzdem genialer Spürnase....
Man weiß zwar von Anfang an, wer der Täter ist, aber trotzdem habe ich das Buch bis zur letzten Seite mit Genuss gelesen.
Ich habe mich schon lange nicht mehr so amüsiert, alleine schon Kühns private Probleme.. Da ist vom durch Gift verseuchten Keller bis zu den schlechten Finanzen wirklich alles dabei.
Ich möchte hier nichts vorweg nehmen, aber alleine über die Diät- Rezepte habe ich schallend gelacht.
Ich habe ja auch schon die ersten Bücher um Kühn gelesen und bin jedesmal von Jan Weilers Humor begeistert. Ich denke, das ist nicht jedermanns Geschmack, aber meiner definitiv. Er kann lustig und ernst zugleich sein.

Ich kann nur sagen: lesen , lesen ,lesen, und hoffentlich gibt es noch viele weitere Bücher um Kühn.


Ich danke dem Piper Verlag für die Zusendung des Rezensionsexemplares.

Freitag, 22. November 2019

Rezension: `Waldesgrab` von Lene Schwarz

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Konnte mich nicht begeistern!!










                                                         


Leon hat immer noch am Tode seiner Ehefrau zu knabbern, die bei einem Unfall ums Leben kam. Inzwischen hat er sein Leben zusammen mit seiner Tochter aber wieder besser auf die Reihe bekommen.
Als er nach der Arbeit plötzlich eine übel zugerichtete Leiche entdeckt, erinnert ihn das daran, was eigentlich lange verborgen gewesen ist und auch bleiben sollte. Er macht sich selbst auf die Suche nach dem Mörder....
 Ich fand die ganze Story ziemlich an den Haaren herbeigezogen. Es kam mir vor, als wolle die Autorin um jeden Preis Spannung erzeugen, was bei mir das Gegenteil bewirkt hat.
Dazu kommen ellenlange, langatmige Beschreibungen von unwichtigen Details.
 Trotzdem wollte ich wissen, wie es weitergeht und habe das Buch bis zum Ende gelesen. Mir hat es so gar nicht gefallen.

                                                          
                                                         
    Ich danke dem Rowohlt Verlag für die Zusendung des Rezensionsexemplares.