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Dienstag, 22. August 2023

Rezension: `Die Magd des Medicus` von Astrid Fritz


 * * * * *

Spannender Roman über einen genialen Arzt!









Als Tochter eines Schinders hat die junge Barbara nicht viele Möglichkeiten im Leben, da sie, genau wie der Rest ihrer Familie, als unrein gilt.

Nur der bekannte Stadtarzt Theophrastus Bombastus von Hohenheim hat keinerlei Bedenken, sie zu fragen, ob sie als Magd bei ihm arbeiten möchte. Barbara ist ihm sehr dankbar und nimmt die Stellung gerne an.

Da weiß sie noch nicht, dass es wahrlich kein Zuckerschlecken ist, für den Medicus zu arbeiten. Er ist rast- und ruhelos, oft jähzornig und verteidigt seine Meinung laut überall und bei jedem. Da passiert es ziemlich häufig, dass er alle Leute vor den Kopf stößt, auch diejenigen, die es gut mit ihm meinen.

Je länger Barbara jedoch bei ihm ist, desto mehr bewundert sie ihn. Als er sich mit Gott und der Welt verzankt hat, willigt sie ein, ihm in andere Städte zu folgen, in denen er arbeiten will. 

Er schert sich nicht um Titel oder Ansehen, er behandelt alle Kranken gleich und ihm liegt die Medizin am Herzen. Dafür legt er sich auch gerne mit anderen Medizinern oder der Obrigkeit an.


Barbara ist genau das Gegenteil von dem hitzköpfigen Mann, der sich inzwischen Paracelsus nennt. Mit der Zeit traut sie sich ihm die Meinung zu vielen Dingen zu sagen, die er meist auch akzeptiert. Die junge Frau lernt viel von ihm, aber auch er ist öfter auf ihre Mithilfe angewiesen.

Obwohl er  mit seinem Buckel und den anderen Missbildungen nicht ansehnlich ist, mag Barbara ihn immer lieber, weil sie tiefer in ihn hineinblicken kann als die anderen Menschen, und sie sieht vor allem ein gutes Herz.

 Astrid Fritz` neuestes Werk hat mir gut gefallen. Auch wenn sie, wie sie im Nachwort schreibt, viele eigene Ideen in Paracelsus` Leben hat einfließen lassen, ist ihr ein spannender und kurzweiliger Roman über das Leben des merkwürdigen Arztes gelungen.


                                         


Dienstag, 13. Dezember 2022

Rezension: `Der Totentanz zu Freiburg` von Astrid Fritz

 

* * * * *
Neues von Serafina!!











1419, Serafina ist überglücklich, denn die Gauklertruppe, bei der auch ihr Sohn Vitus mitreist, kommt für einige Tage nach Freiburg. Ein Lustspiel soll aufgeführt werden, und Vitus wird diesmal eine Magd darstellen.


Der Marktplatz ist voll mit Zuschauern, als die grell geschminkte Magd mit einem Messer durch die Menge läuft. Das gehört alles zum Spiel, aber nicht, dass plötzlich der Gerbermeister Oblathus mit einem Messer im Rücken tot daliegt.

Von Vitus fehlt jede Spur, und es ist allen schnell klar, wer für den Mord verantwortlich ist.

Natürlich glauben Serafina und ihr Mann Achaz keinen Moment daran, doch es wird schwierig, Vitus` Unschuld zu beweisen.

Astrid Fritz ist inzwischen beim siebten Band der Serafina Reihe angelangt, und es wird immer noch nicht langweilig.

Die Geschichte lässt sich flüssig und gut lesen, der Schreibstil gefällt mir, und die Serafina Reihe ist auch perfekt für den Urlaub oder einige entspannte Stunden geeignet.

Es ist immer wieder interessant, aus dem Alltag der Freiburger im 15. Jahrhundert zu lesen. Schnell wurde auch jemand verurteilt, einfach nur, weil er aus einer Gauklertruppe stammte und gerade am Ort des Geschehens war.

Als sich die Schlinge um Vitus` Hals immer enger zuzieht, macht Serafina einen mutigen Schritt, den sie bisher nie gewagt hat. Doch hilft es ihrem Sohn oder war alles umsonst?




Montag, 11. April 2022

Rezension: `Der dunkle Himmel` von Astrid Fritz

 

* * * * *
Das Jahr ohne Sonne!!










1816, Hohenstetten in Württemberg. Der Sommer ist zu heiß und die Winter viel zu kalt, die Ernte ist schlecht, es wächst nichts auf den Feldern, die Leute haben nichts zu essen und es gibt auch kein dringend benötigtes Tierfutter. Dass die Klimaveränderung die Folge eines Vulkanausbruchs am anderen Ende der Welt ist, weiß damals niemand.

Die Menschen versuchen an allen Ecken und Enden zu sparen und viele kämpfen ums nackte Überleben.

Mittendrin der junge Lehrer Friedhelm und die Wirtstochter Paulina. Die beiden lieben sich, aber Paulinas Vater hat andere Pläne mit ihr. Sie beschließen, zusammen zu fliehen.

Viele Menschen wandern nach Amerika aus, dort soll es Essen und Arbeit in Massen geben und garantiert ein Leben auf der Sonnenseite. Doch dazu braucht man Geld, um eine Schiffspassage zu kaufen, und das ist für die normale Bevölkerung unmöglich, da es keine Arbeit und somit auch keinen Lohn gibt.

Die Inhaltsangabe des Buches täuscht ein wenig, denn es handelt hauptsächlich von einer wunderschönen Liebesgeschichte und weniger von einer Klimakatastrophe. Über den Vulkanausbruch wird nur kurz  im Prolog gesprochen. Trotzdem sind die Hungersnot und die Armut immer präsent. Viele Menschen haben kein Dach über dem Kopf, während andere sich ohne Skrupel die Taschen vollmachen.

Astrid Fritz hat wieder einen bewegenden Roman geschrieben. Ich hatte vorher von diesem `Jahr ohne Sonne` noch nichts gehört, habe es jetzt aber mal nachgelesen. 

Die Autorin hat anscheinend sehr gut recherchiert und die fiktive Geschichte und die wahren historischen Ereignisse perfekt miteinander verbunden. Die fast 600 Seiten habe ich gar nicht gemerkt, weil die Story spannend geschrieben und das Thema ziemlich aktuell ist. 


                                                     


Ich danke dem Rowohlt Verlag für die Zusendung des Rezensionsexemplars.

Freitag, 18. Dezember 2020

Rezension: `Die Wölfe vor den Toren` von Astrid Fritz

 

* * * * *

Wolf oder Werwolf?









Es geht weiter mit der Armenapothekerin Serafina aus Freiburg. Es ist ein bitterkalter Winter, die Nahrung und die Brennmaterialien sind knapp. Jeder hofft, dass es bald Frühling wird. Die Angst vor den Wölfen ist immer da, doch solange sie weit weg bleiben, ist alles gut.

In diesen kalten Zeiten suchen auch die Wölfe nach Nahrung und kommen näher in die Dörfer. Der kleine Jörgelin aus Würi fällt ihnen zum Opfer. Anhand der Bisswunden ist ganz klar, dass er von den Wölfen getötet wurde. Als kurz darauf zwei Frauen mit ähnlichen Verletzungen zu Tode kommen, sind die Menschen aufgebracht. Angeblich soll nun plötzlich ein menschlicher Werwolf schuld sein.

Der Stadtarzt Achat und seine Frau Serafina glauben natürlich nicht an diesen Unsinn und haben eine ganz andere Vermutung, doch noch fehlen ihnen die Beweise.

Auf eigene Faust versucht Serafina etwas aus den Dorfbewohnern herauszukriegen. Dass sie ihr gegenüber nicht besonders aufgeschlossen sind, schreckt sie natürlich nicht ab. Für die damalige Zeit ist Serafina eine selbstbewusste Frau, die ihren eigenen Willen hat und sich auch nicht von ihrem Mann davon abbringen lässt.

Ihre gute Spürnase bringt sie auch diesmal wieder auf die richtige Fährte, doch dadurch geraten die Eheleute gleich zweimal in ernsthafte Gefahr.


Obwohl es nun schon der sechste Band um Serafina ist, wird es einem nicht langweilig. Es gab ein Wiederlesen mit schon liebgewonnenen Charakteren, wie den Beginenschwestern und einigen anderen. Ich lese immer gerne, wie der Alltag im 15. Jahrhundert bewältigt wurde. Wie kamen die Leute durch den harten Winter ? Wie funktionierte eine Armenapotheke  und welche Kräutchen wurden bei den verschiedenen Krankheiten eingesetzt? Interessant zu lesen, dass der Aberglaube vieles beherrschte. Doch die einfache Bevölkerung wusste es nicht besser und glaubte schnell an Werwölfe, Hexen oder Geister, wenn sie keine andere Erklärung hatten. Diesmal ging es aber hauptsächlich um die Wolfsmorde, und Serafinas Alltag kam ein bisschen zu kurz. 

Trotzdem war es wieder ein spannender, historischer Roman, der mir richtig gut gefallen hat.



Ich danke dem Rowohlt Verlag  für die Zusendung des Rezensionsexemplares.

Dienstag, 17. September 2019

Rezension: `Die Tote in der Henkersgasse` von Astrid Fritz



 * * * * *
Spannender neuer Fall für Serafina!!














Freiburg, 1417,
 Serafina, die ehemalige Begine und jetzt Ehefrau des Arztes Achat, hat eigentlich alle Hände voll zu tun, denn mit ihrer Armenapotheke ist sie mehr als beschäftigt.
Als Achaz  in die Henkersgasse gerufen wird, weil eine reiche Kaufmannsgattin mit eingeschlagenem Schädel gefunden wurde, lässt es Serafina, wie immer, keine Ruhe.
Natürlich will sie nun auf eigene Faust ermitteln und das tut sie auf ihre ganz besondere Weise. Sie hat keinerlei Berührungsängste, weder vor vornehmen Kaufleuten, noch vor Hübschlerinnen. Was Serafina sich in den Kopf setzt, zieht sie auch durch.
Zusätzlich macht ihr der Stadtapotheker Ärger, weil er durchgekriegt hat, dass sie ihre Armenapotheke schließen soll. Und es taucht plötzlich nach vielen Jahren ihr Bruder Peter auf. Die anfängliche Freude über das Wiedersehen schlägt ganz schnell ins Gegenteil um.

 Achaz passt es natürlich nicht, dass seine Frau eigene Recherche betreibt, doch weil er sie liebt und weiß, dass er doch keine Chance hat, sie aufzuhalten, lässt er es zähneknirschend durchgehen.
 Die beiden empfand ich als sehr liebenswert, aber auch die anderen gefielen mir, besonders Serafinas Bruder ist ein vielschichtiger Charakter.

Mit dem neuen Serafina Band konnte die Autorin mich wieder fesseln. In knapp zwei Tagen hatte ich ihn ausgelesen.
Man kann gut einsteigen, wenn man die anderen Teile nicht kennt, was aber sehr schade wäre, denn es lohnt sich, sie zu lesen.
Serafina ist für die damalige Zeit eine eigenwillige Frau, die macht, was sie will. Das gefällt natürlich nicht jedem, denn Weiber sollen sich mit ihrem Haushalt beschäftigen  und nicht herumschnüffeln oder `unschuldige` Bürger verdächtigen und erst recht keine Morde aufklären.
Ich war mir lange Zeit nicht sicher, wer der Täter sein könnte, denn es kommen einige infrage. Das hat die Autorin geschickt verschleiert, sodass es am Ende eine echte Überraschung für mich war.
Sie versteht es perfekt, fiktive Charaktere  gekonnt mit wirklich stattgefundenen Begebenheiten zu verbinden. Denn im Anhang kann man lesen, dass ein historischer Fall als Grundlage zu diesem Roman diente.
Flott geschrieben, keine Minute Langweile beim Lesen, so darf ein historischer Roman gerne sein.



                                             

Ich danke  dem Rowohlt Verlag  für die Zusendung des Rezensionsexemplares.

Donnerstag, 22. November 2018

Rezension: `Der Hexenjäger´ von Astrid Fritz


* * * * *
Spannender Roman über die Zeit der Hexenverfolgung!!

















1484, Susanna lebt nach dem plötzlichen Tod ihrer Mutter mit dem Vater und den Brüdern zusammen. Oftmals findet sie Trost bei Bruder Heinrich Kramer, dem Prior des Klosters und päpstlicher Inquisitor. Er bezeichnet sich als Freund der Familie, weil er mit Susannas Mutter aufgewachsen ist.
Susanna erzählt in der Ich- Form, doch der Leser erfährt in einem anderen Handlungsstrang alles aus Heinrichs Sicht.
Die junge Frau hat es ihm angetan, er begehrt sie und versucht, ihr einzureden, sie sei im Kloster gut aufgehoben. Als sie sich seinem Rat und seinen widerlichen Annäherungsversuchen widersetzt, schwört er Rache.


Heinrich Kramer, inzwischen Henricus Institoris, der Herausgeber des Hexenhammers, interessiert sich irgendwann gar nicht mehr für die Belange seines Klosters, sondern sitzt Stunde um Stunde, und schreibt teils völlig wirres Zeug zusammen. Als Inquisitor reist er zudem durchs Land und versucht, Hexen zu verhören. Willkürlich  klagen Menschen sich gegenseitig an, denunzieren ihre Nachbarn und bezichtigen sie der Hexerei. Nur allzu gerne macht Heinrich den Frauen den Prozess.


Susanna lebt schon einige Zeit in Straßburg, als Heinrich es schafft, zuzuschlagen. Seine größte Mission ist die Hexenverfolgung und was liegt näher, auch Susanna als eine zu bezichtigen? Denn sie muss ihn ja verhext haben, wenn er ihr nicht widerstehen kann und auch nach Jahren noch dauernd an sie denkt.


Ich habe schon sehr viel zu dem Thema gelesen, doch jedesmal erschüttert es mich aufs Neue. Wie grausam die Kirche vorgegangen ist, diese schrecklichen Foltermethoden, um den Angeklagten Geständnisse zu entlocken.

Susanna ist mir schnell ans Herz gewachsen, ich habe mit ihr gezittert und gelitten, denn meist hatten die jungen Frauen niemanden, dem sie sich anvertrauen konnten und wenn, wurde es anschließend gegen sie verwendet.
Astrid Fritz hat mich mit ihrer Geschichte total begeistert und ich habe das Buch in zwei Tagen verschlungen. Susanna und ihre Familie sind fiktive Personen, aber Heinrich gab es wirklich und auch sein Werk `Der Hexenhammer` hat ihn lange überlebt und galt sozusagen als Bibel für die Hexenverfolgung.
Ein spannender, gut recherchierter Roman über die Hexenverfolgung durch Henricus Institoris.



Ich danke dem Rowohlt Verlag für die Zusendung des Rezensionsexemplares.

Samstag, 22. Juli 2017

Es gibt wieder einen Gewinner !!!

Liebe Leser.
Ich mache es heute mal kurz😄

Das Exemplar von `Die Räuberbraut` von Astrid Fritz hat gewonnen::
Direkt die Nummer 1
Martina von Martinas Buchwelten

Herzlichen Glückwunsch !!
Bitte schick mir noch Deine Adresse..

Vielen Dank an den Rowohlt Verlag für die Bereitstellung des Gewinns.

Samstag, 15. Juli 2017

Mit einem Bein im Gefängnis- Frauen im fahrenden Volk





Mit einem Bein im Gefängnis- Frauen im fahrenden
Volk


Armut war um 1800, also in der Zeit, in der die „Räuberbraut“ spielt, durchaus ein Massenphänomen. Noch hatte die industrielle Revolution Deutschland nicht erreicht, mit ihren ausgebeuteten Fabrikarbeitern, Mietskasernen und Elendsvierteln in den Städten, und so ist die Armut bislang vor allem auf dem Land sichtbar, wo Scharen von Hausierern und Bettlern, Musikanten und „Zigeunern“ (damals auch Ägypter genannt), verarmten Handwerkern und Landjuden über die Dörfer zogen. Die meisten waren halbsesshaft, viele auch wohnsitzlos, eine staatliche Armenfürsorge in unserem Sinne gab es in den Landgemeinden nicht. In Krisenzeiten von Missernten und Teuerungen zog wohl über ein Viertel der Bevölkerung wohnsitzlos durchs Land
Auch meine Protagonistin Juliana Blasius gehörte zu dieser „soziale Randgruppe“. Am 22. August 1781 wurde sie als Tochter des Bänkelsängers und Musikanten Hannikel Blasius in Weierbach geboren, ein Dorf bei Idar-Oberstein. Schon als Kind zog sie mit dem Vater und den Schwestern über Land, um sich mit Musik ihr Brot zu verdienen.
Juliana Blasius
Sie waren also Teil des fahrenden Volks, auch wenn sie in einem bescheidenen Häuschen zur Miete wohnten. Wohnsitzlos war die Familie zwar nicht, aber ihr Leben nicht weniger ärmlich: Man weiß, dass sie zeitweise auf Almosen angewiesen war. In diesen Genuss kam man allerdings nur, wenn man in seiner Heimatgemeinde das Bürgerrecht besaß – etlichen aus der Unterschicht blieb dies verwehrt, etwa den Zugezogenen oder den unehelich Geborenen.
Wurde Armut in früheren Jahrhunderten als gottgegeben erlitten und erlebt, immerhin mit dem Anspruch auf Almosen und der tröstlichen Aussicht auf ein gerechtes Jenseits, so hieß es jetzt, mit der Ablösung des Feudalsystems durch den frühen Kapitalismus: Jeder ist seines Glückes Schmied, und wer arm ist, ist selbst schuld! Der Kleinbürger wie der Wohlhabende war mit seinem Urteil schnell bei der Hand: Arbeitsscheue Strolche, herrenloses Gesindel schimpften sie das fahrende Volk und erwarteten von der Obrigkeit strikte Maßnahmen, die da waren: strenge Aufenthaltsgesetze (für Reisen außerhalb der Heimatgemeinde brauchte es Papiere, ebenso wie für jegliches Gewerbe), häufige Passkontrollen, harte Strafen wie Landesverweis oder Arrest. 

 "Wo ist der Pass" von Carl Spitzweg © Museum Georg Schäfer, Schweinfurt
                           


Von Carl Spitzweg gibt es hierzu übrigens ein wunderbar ironisches Gemälde: Ein Gendarm fragt in seinem bairischen Dialekt bärbeißig Musikanten nach ihrem Pass, und einer der Musikanten zeigt auf sein Musikinstrument, einen Bass (siehe Bild).
Auch wenn auf dem Land das Anklopfen an der Tür noch immer zum Alltag gehörte, auch wenn man dort Gaukler und Musikanten durchaus als Abwechslung schätzte und auf Hausierer als Nachrichtenüberbringer angewiesen war – Obrigkeit und Bürgertum trugen einen gut Teil dazu bei, das fahrende Volk zu kriminalisieren und seinen angeblichen Hang zu Sittenlosigkeit, Faulheit und Anarchie zu verteufeln.

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Frauen aus der Unterschicht waren von Verarmung besonders bedroht - als Witwen, als Mütter unehelicher Kinder. Der Verlust des Ernährers bedeutet für sie eine wirtschaftliche Katastrophe, an deren Ende oft das Leben mit Kleinkindern auf der Straße stand, und so gab es unter dem „umschweifenden Gesindel“ tatsächlich einen Frauenüberschuss. Kinder hingegen waren in der Minderzahl, es waren zumeist Säuglinge, die die Frauen mit sich führten. Dies erstaunt nur auf den ersten Blick: Halbwüchsige sorgten weitgehend für sich selbst, und kleinere Kinder wurden den Mütter oft rigoros weggenommen und in private oder staatliche Fürsorge verbracht. Eine Heirat wäre für viele ledige junge Frauen sicherlich ein Ausweg aus dem Landfahrermilieu gewesen, doch die Heiratsgesetze jener Zeit waren streng: Das Mindestalter war hoch (bei Männern zumeist um die Fünfundzwanzig), und es brauchte eine behördliche Genehmigung. Die gab es nur beim Nachweis, dass der Mann wirtschaftlich in der Lage war, eine Familie zu versorgen, was für einen Taglöhner jahrelanges Sparen hieß, und bei „liederlichem Lebenswandel“ wurde die Heiratserlaubnis ohnehin verwehrt. So kam es, dass viele Paare mit Kindern zur Unehelichkeit verdammt waren und sogar aus eben diesem Grund auswanderten.
Aus Selbstschutz schlossen sich die Frauen auf der Straße zu Gruppen zusammen, der karge Besitz passte auf ein Handwägelchen oder in einen Ranzen. Sie lebten von Gelegenheits- und Handarbeiten, Hehlerei oder illegalem Trödel, vom Betteln, Mundraub auf den Feldern oder Kleindiebstählen: Während die eine an der Haustür bettelte, stahl die andere einen Hafen Schmalz aus dem Keller, ein Hemd von der Wäscheleine. Auf der anderen Seite war ein stabiles Beziehungsnetz, auch zu den Dörflern, überlebensnotwendig. Trotz der Nähe zum kleinkriminellen Milieu hatten sie durchaus ihren Ehrbegriff und einen Hang zu bürgerlichen Normen: Man war stolz auf ein schönes Stück Kleidung oder auf die bei der Erntehilfe verdienten Groschen, beim Rasten wurden Strümpfe und Röcke geflickt, die Schuhe mit Schweineschmalz geschmiert.
Waren diese Frauen nun freier als ihre bürgerlichen Geschlechtsgenossinnen? Ein Stück weit sicherlich, unterlagen sie in ihrer Kleingesellschaft doch weniger Zwängen, und die männliche Vorherrschaft fehlte in der Regel. Sie waren aber auch bedrohter durch ihr Leben auf der Straße, litten nicht selten an Hunger und Krankheiten. Manch eine mochte unter diesen prekären Verhältnissen beschließen, noch einen Schritt weiter zu gehen und gegen Geld den eigenen Körper zu verkaufen. Oder aber sich einer Räuberbande anschließen. Wenigstens die Sorge um das tägliche Brot war damit behoben.
Auch Juliana Blasius wollte sich dem alltäglichen Elend entziehen und schloss sich daher aus freien Stücken dem jungen Räuberanführer Johannes Bückler an – nach dem Motto: anderswo ist es allemal besser.

Vielen Dank, liebe Astrid Fritz für diesen ausführlichen Beitrag!!

Mehr über die Autorin findet Ihr auf ihrer HOMEPAGE


Astrid Fritz (c) Wioletta Neiss

`Die Räuberbraut`  erscheint am 21.07.2017 und Ihr könnt hier ein Exemplar gewinnen!! 



Was müsst Ihr tun, um zu gewinnen?? Es wäre schön, wenn Ihr Leser hier auf dem Blog werdet und meine Facebook Seite liked!
Ansonsten reicht ein Kommentar hier drunter oder bei Fb und Ihr hüpft in den Lostopf.

Markiert gerne eure Freunde und teilt auf euren Blogs und bei Fb.
Bis zum 21.07.2017 um 23 Uhr habt Ihr Zeit, danach lose ich mit random.org aus.

Wenn Ihr noch nicht 18 Jahre alt seid, brauche ich die Einwilligung eurer Eltern.
Der Rechtsweg ist ausgeschlossen.

Ich wünsche euch viel Glück !!!


Die einzelnen Stationen der Blogtour erfahrt Ihr, wenn Ihr auf der Startseite auf den Button kickt..

Morgen geht es weiter mit Teil II der Frauen im fahrenden Volk bei Die Rabenmutti


Donnerstag, 13. Juli 2017

Ankündigung !!!



Liebe Leser, morgen beginnt eine Blogtour zu dem neuen historischen Roman von Astrid Fritz `Die Räuberbraut`, der am 21.07.2017 im Wunderlich/ Rowohlt Verlag erscheint.
 Schon übermorgen könnt Ihr hier meinen Beitrag `Mit einem Bein im Gefängnis- Frauen im fahrendenVolk` lesen. Ich freue mich, wenn Ihr mal vorbeischaut. Zu gewinnen gibt es auch etwas!!!!






Die einzelnen Stationen hier nochmal:

14. Juli Von der Musikkneipe zum Buchprojekt 
www.rowohlt.de


15. Juli Mit einem Bein im Gefängnis (I): Frauen im fahrenden Volk

16. Juli Mit einem Bein im Gefängnis (II): Frauenleben im Räubermilieu zwischen Angst und Emanzipation

17. Juli Astrid Fritz’ Reise durch den idyllischen Hunsrück – mit der Kamera auf den Spuren der Schinderhannesbande

18. Juli Schinderhannes' Schauplätze im Spiegel der Zeit

19. Juli Was Astrid Fritz zum Schreiben braucht: ihren PC, viel Ruhe und eine Tüte Haribo

20. Juli Astrid Fritz im Gespräch - ein Interview

21. Juli Astrid Fritz liest «Die Räuberbraut» - ein Video


Samstag, 23. Juli 2016

Rezension: `Unter dem Banner des Kreuzes` von Astrid Fritz

* * *

Ziemlich langatmig !!
















Die 17 jährige Anna hat es nicht leicht. Obwohl sie fleißig und gehorsam ist, findet der jähzornige Vater immer einen Grund, sie zu schlagen oder zu beschimpfen.
Als eine Gruppe Werber nach Freiburg kommt und die Menschen auffordert, an dem Kreuzzug zur Befreiung Jerusalems teilzunehmen, flieht sie und begibt sich mit vielen anderen Gläubigen auf die beschwerliche Reise.
Angeführt wird der Pilgerzug von einem Hirtenjungen namens Nikolaus, dem angeblich ein Engel erschienen sein soll.
Zuerst sind die, zumeist jungen Leute und Kinder noch euphorisch, doch mehr und mehr kommen Zweifel, ob die Mission wirklich unter einem guten Stern steht. Denn bei den langen Fußmärschen leiden sie unter Hunger, Durst, Schwäche. Es breiten sich Krankheiten aus und von den Menschen aus den Städten und Dörfern, die sie passieren, bekommen sie kaum Hilfe. Das Ganze wird zu einer einzigen Tortur. Der angehende Priester Konrad versucht Anna und ihre Mitstreiter von dem Vorhaben abzubringen, was ihm nicht gelingt, denn sie halten, trotz aller innerlichen Zweifel, beharrlich an ihrem Glauben fest. So schließt er sich ihnen an, um ihnen zur Seite zu stehen und zu helfen.

Der Schreibstil der Autorin lässt sich gut lesen, auch ist das Thema interessant. Allerdings finde ich, sie hätte viel mehr daraus machen können.
`Unter dem Banner des Kreuzes` fängt sehr vielversprechend an, doch dann flacht es ab und wird sehr langatmig erzählt.
Beschrieben werden die einzelnen Reisewege, wie beschwerlich Anna und die Gruppe voran kommen. Unstimmigkeiten, die es immer öfter zwischen den Pilgern gibt und andere kleine Begebenheiten, aber insgesamt plätschert das Ganze bei 417 Seiten so vor sich hin. Es gibt keinen wirklichen Höhepunkt, keine besondere Spannung. 
Ich fand es ziemlich langweilig, weil eigentlich ein Tag wie der andere war.
Jederzeit hätte ich es weglegen können, ohne zu wissen, wie es weitergeht.
Ich mag die Bücher von Astrid Fritz, aber `Unter dem Banne des Kreuzes` hat mich etwas enttäuscht.





Ich danke dem Wunderlich Verlag    für die Zusendung des Rezensionsexemplares.

Donnerstag, 20. Juni 2013

Rezension : Das Aschenkreuz von Astrid Fritz

* * * * *




Kurzweiliger, historischer Schmöker !!








Die nicht mehr ganz junge Serafina fühlt sich wohl in Freiburg in der Gemeinschaft der Beginen-Schwestern. Niemand kennt hier ihre Vergangenheit, denn sie hat wohlweislich verschwiegen, dass sie jahrelang in einem Hurenhaus in Konstanz lebte.

Doch anders als die anderen Schwestern und Bewohner läßt sie es nicht einfach auf sich beruhen, als der junge Hannes eines Morgens tot entdeckt wird, aufgehängt an einem Strick. Hannes wird sofort als Selbstmörder abgestempelt, dem keine anständige Beerdigung zusteht, doch Serafina glaubt an Mord.

Durch ihr anschließendes, eigenmächtiges Handeln macht sie sich natürlich bei der Obrigkeit und auch bei manchen Schwestern unbeliebt.

Und plötzlich trifft sie auch noch auf Achaz, einen Arzt, den sie aus Konstanz kennt und der um ihr Geheimnis weiß.

Wird er sie verraten ? Ist es jetzt vorbei mit dem idyllischen Leben bei den Schwestern ?

Es passiert noch ein weiterer Mord und Serafina beginnt zu ahnen, dass hier nicht nur ein Täter am Werk ist, sondern anscheinend auf diese Weise unliebsame Mitbürger beseitigt werden sollen.

Astrid Fritz hat einen kurzweiligen, historischen Roman aus dem alten Freiburg geschrieben. Sehr anschaulich schildert sie das Leben zur damaligen Zeit, wie leicht man in Verruf geraten kann und wie schnell es auch möglich war, unbequeme Mitbürger zu verurteilen. Die Folter war immer eine gute Methode, um ein Geständnis zu erzwingen..

Mit Serafina hat Astrid Fritz eine sympathische Protagonistin geschaffen, die kein Blatt vor den Mund nimmt und eine Frau der Tat ist, was zur damaligen Zeit nicht gerne gesehen wurde.

Die Charaktere sind sehr verschieden und sehr gut beschrieben, sodass ich direkt Vorlieben und Abneigungen entwickelt habe. Ich fühlte mich beim Lesen angenehm zurückversetzt in das 15. Jahrhundert und war fast traurig, als ich das Buch ausgelesen hatte.

Das Ende läßt auf einen zweiten Teil hoffen, denn einige Fragen bleiben offen. Trotzdem ist die Geschichte in sich abgeschlossen und zu Ende, doch ich würde sehr gerne wissen, wie es weitergeht mit Serafina.

Ein richtig schöner Schmöker von Astrid Fritz, den ich gerne weiterempfehle !!





Ich danke dem Rowohlt Verlag für die Bereitstellung des Rezensionsexemplares .