Zwischen Pflicht, Liebe und Überlebenskampf!
Frankreich, 1793. Inmitten der Wirren der Französischen Revolution lernen wir die Marquise Marguerite de Bonchamps kennen, eine junge Frau aus einem königstreuen Adelsgeschlecht, deren Welt von einem Tag auf den anderen zerbricht. Für sie und ihre Familie ist es unvorstellbar, dass das einfache Volk die Macht an sich reißt und die Krone stürzen will. Als ihr Mann in den Kampf zieht, bleibt Marguerite mit den Kindern allein zurück und verliert schließlich alles, was ihr Leben bisher ausgemacht hat.
Die Flucht, zu der sie gezwungen wird, ist lebensgefährlich und voller Demütigungen. Die verwöhnte Adlige, die stets von Bediensteten umgeben war, muss plötzlich wie eine Bäuerin durchs Land ziehen, ohne Schutz, ohne Besitz, ohne Gewissheit, ob sie ihre Familie jemals wiedersehen wird. Während ihr Mann einen aus ihrer Sicht aussichtslosen Kampf führt, wächst Marguerite über sich hinaus. Der Autorin ist die Darstellung ihres inneren Konflikts besonders gut gelungen. Da ist auf der einen Seite die Treue zu ihrem Ehemann, die sie als Pflicht verinnerlicht hat, und andererseits die verbotenen Gefühle für den jungen Henri de La Rochejaquelein, die sie völlig unvorbereitet treffen. Eine Liebe, die nicht sein darf und die sie dennoch nicht ignorieren kann.
Ich war zunächst skeptisch, denn der Titel sprach mich überhaupt nicht an. Doch die Geschichte hat mich positiv überrascht. Valérie Caron gelingt es, Marguerites emotionalen Weg authentisch und berührend darzustellen, abwechselnd Wut, Verzweiflung, Angst, Loyalität und die zarte, gefährliche Liebe, die sie zu verbergen versucht. Marguerite wird mit Situationen konfrontiert, die sie sich nie hätte vorstellen können, doch sie behält ihre Würde und kämpft unbeirrt für ihre Familie. Gleichzeitig zeigt der Roman eindrucksvoll die unterschiedlichen Werte der Zeit. Für die Kämpfer zählen Ehre und Königstreue mehr als Familie oder Besitz, während die Frauen vor allem ihr Heim und ihre Kinder schützen wollen.
`Die barfüßige Marquise` ist ein hervorragend recherchierter historischer Roman, der nicht nur spannende Einblicke in die Französische Revolution bietet, sondern auch das Schicksal einer Frau erzählt, die zwischen Pflicht, Liebe und Überleben ihren eigenen Weg finden muss.
Von mir gibt es eine ganz klare Leseempfehlung!

