Montag, 21. September 2020

Rezension: `Die vergessene Heimat` von Deana Zinßmeister


* * * * *
Die vergessene Heimat!!


















1961, Ernst und Leni wohnen in Ostberlin, direkt an der Grenze zum Westen. Täglich sieht Ernst bei seiner Arbeit im anderen Teil der Stadt, welch ein Unterschied herrscht. Als begonnen wird, einen Stacheldraht zu ziehen, entschließen sie sich, zusammen mit einem Teil der Familie, zu fliehen.

In einem zweiten Handlungsstrang schreibt die Autorin als Britta Hofmeister in der Ich-Form über die Krankheit ihres Vaters. Nie wurde in der Familie über die Flucht gesprochen, auch Jahrzehnte später herrschte bei den Eltern noch die Angst vor der Stasi.
Als der Vater 2014 an Alzheimer erkrankt und die Tochter viel Zeit bei den Eltern verbringt, erfährt sie zum ersten Mal die ganzen Details über die Flucht. 

Deana Zinßmeister hat diesen sehr persönlichen Roman nach der Erkrankung ihres Vaters geschrieben. Sehr gefühlvoll schildert sie die Strapazen, die auf die ganze Familie zukommen, wenn jemand dement ist. Dieser Schock, den immer starken Vater plötzlich so verändert zu sehen. Auf einmal sind die Rollen vertauscht, man ist nicht mehr das Kind, sondern nun benimmt sich der Vater wie ein Kleinkind.
Ich habe Ähnliches erlebt, deswegen konnte ich so viele ihrer Schilderungen und Empfindungen verstehen. Die Eltern sind nie wirklich zufrieden, und auch wenn man jeden Tag Stunden dort verbringt, reicht es nicht. 
Dass man auch noch ein anderes Leben außerhalb von Arztpraxen und den elterlichen vier Wänden hat, wird gerne vergessen. Die eigene Familie steht plötzlich ganz hinten an, geschweige denn, dass man Zeit für sich selbst hat. Wie viele Termine müssen kurzfristig abgesagt werden, weil man meint, sofort springen zu müssen, wenn die Eltern rufen.

Die Autorin schreibt in kurzen Kapiteln, blendet immer wieder zurück in die Zeit vor und während der Flucht.
Wobei ich nicht sagen kann, was mir besser gefallen hat- Gegenwart oder Vergangenheit. Beide Zeiten hatten ihren Reiz, die dramatische Fluchtaktion, sowie die bewegenden Kapitel über die Krankheit des Vaters.
Deana Zinßmeister schreibt völlig ungeschönt, wie sich ihr Leben und das ihrer Mutter und Geschwister rasant schnell verändert.
Und erst jetzt, wo sie die ganze Geschichte ihrer Eltern gehört hat, wird ihr vieles klar.....
        Zitat: 
          "Jahre später erkannte ich die Situationen. 
          Jahre später konnte ich das Gehörte verstehen.
          Jahre später wusste ich das Gesagte zu deuten.
   Jahre später schoben sich die Puzzleteile zusammen.
 Jahre später ergab alles einen Sinn! "



                     


  Ich danke dem Goldmann Verlag  für die Zusendung des Rezensionsexemplares.

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