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Mittwoch, 6. November 2013

Rezension : ` Der Fall Peggy` von Ina Jung/ Christoph Lemmer

* * * * *




Die Geschichte eines Skandals!!






Obwohl ich seit Jahren die Berichte über den "Fall Peggy" verfolge, hat mich das Buch doch noch erschüttern können.

Ich hatte nicht erwartet, so viele, mir bisher unbekannte, Fakten und Details dort zu lesen.

Die bisherigen Ermittlungsergebnisse und Zeugenaussagen wurden von den Autoren akribisch zusammengetragen und durch eigene Recherchen ergänzt.

Die genauen Lebensverhältnisse der Familie Knobloch vor Peggys Verschwinden waren mir so auch nicht bekannt. Natürlich weiß man nicht, wieviel die Nachbarn und Bekannten noch dazu gedichtet haben, aber es las sich schon schrecklich und das kleine Mädchen, dass so aufwachsen musste, konnte einem von Herzen leid tun. Ein Schlüsselkind, fast immer auf sich allein gestellt; eine Mutter, die sich nicht viel kümmerte.

Susanne Knobloch meldete erst spät am Abend ihre Tochter Peggy als vermisst, es war anscheinend nicht ungewöhnlich, dass die Neunjährige lange unterwegs war. Mit einem alten Foto startete am nächsten Tag die Suchaktion. Erst nach mehrmaliger Bitte der Polizei brachte die Mutter nach drei Wochen endlich ein aktuelles Foto ihrer Tochter.

Zuerst wurde das Umfeld durchleuchtet, Wohnungen durchsucht, auch der Lebensgefährte der Mutter und seine türkische Familie schienen suspekt... Doch je länger die Fahndung ergebnislos blieb, desto mehr gerieten die Ermittler unter Druck.

Auf einmal schien ein Durchbruch gelungen!

Alles konzentrierte sich plötzlich auf den geistig behinderten Ulvi K., der einen geeigneten Täter abgeben könnte. Nach stundenlangem Verhör gestand Ulvi K. den Mord an Peggy Knobloch, und obwohl es weder DNA Spuren oder sonstige Beweise gab, wurde die Suche nach einem anderen Täter sofort eingestellt.
Mit der Festnahme und Verurteilung des jungen Mannes konnte der Fall für die Justiz endlich erfolgreich abgeschlossen werden.
Wenn man die, von den beiden Autoren, perfekt recherchierten und zusammengetragenen Fakten in diesem Fall liest, kriegt man nur unbändige Wut. Es gab keinerlei tatkräftige Beweise für Ulvis Schuld, nur das anscheinend erzwungene Geständnis.

Heute, fast zehn Jahre nach der Verurteilung Ulvi Ks, weiß man beim Lesen des Buches, dass inzwischen ja wirklich ein anderer Mann dringend tatverdächtig ist und Ulvi K. wahrscheinlich jahrelang unschuldig in der Psychiatrie saß. Dadurch wird alles noch realer und grausamer. Hier handelt es sich wirklich um die Aufdeckung eines Justizskandals, wie es der Buchtitel schon aussagt.

Ich bin mal gespannt, ob irgendjemand der Verantwortlichen für diese Aneinanderreihung von Fehlern noch zur Rechenschaft gezogen wird.

Das Buch ist allerdings eher ein Tatsachenbericht als ein Roman. Die von den Autoren veröffentlichten Fakten, Details und Ergebnisse ihrer eigenen Recherchen haben mich beim Lesen gefesselt und gleichzeitig erschüttert.











Ich danke dem Droemer Knaur Verlag für die Zusendung des Rezensionsexemplares.