* * * * *
Die Geschichte eines Skandals!!
Obwohl ich seit Jahren die Berichte über den "Fall Peggy" verfolge, hat mich das
Buch doch noch erschüttern können.
Ich hatte nicht erwartet, so viele,
mir bisher unbekannte, Fakten und Details dort zu lesen.
Die bisherigen
Ermittlungsergebnisse und Zeugenaussagen wurden von den Autoren akribisch
zusammengetragen und durch eigene Recherchen ergänzt.
Die genauen
Lebensverhältnisse der Familie Knobloch vor Peggys Verschwinden waren mir so
auch nicht bekannt. Natürlich weiß man nicht, wieviel die Nachbarn und Bekannten
noch dazu gedichtet haben, aber es las sich schon schrecklich und das kleine
Mädchen, dass so aufwachsen musste, konnte einem von Herzen leid tun. Ein
Schlüsselkind, fast immer auf sich allein gestellt; eine Mutter, die sich nicht
viel kümmerte.
Susanne Knobloch meldete erst spät am Abend ihre Tochter
Peggy als vermisst, es war anscheinend nicht ungewöhnlich, dass die Neunjährige
lange unterwegs war. Mit einem alten Foto startete am nächsten Tag die
Suchaktion. Erst nach mehrmaliger Bitte der Polizei brachte die Mutter nach drei
Wochen endlich ein aktuelles Foto ihrer Tochter.
Zuerst wurde das Umfeld
durchleuchtet, Wohnungen durchsucht, auch der Lebensgefährte der Mutter und
seine türkische Familie schienen suspekt... Doch je länger die Fahndung
ergebnislos blieb, desto mehr gerieten die Ermittler unter Druck.
Auf
einmal schien ein Durchbruch gelungen!
Alles konzentrierte sich plötzlich
auf den geistig behinderten Ulvi K., der einen geeigneten Täter abgeben könnte.
Nach stundenlangem Verhör gestand Ulvi K. den Mord an Peggy Knobloch, und obwohl
es weder DNA Spuren oder sonstige Beweise gab, wurde die Suche nach einem
anderen Täter sofort eingestellt.
Mit der Festnahme und Verurteilung des
jungen Mannes konnte der Fall für die Justiz endlich erfolgreich abgeschlossen
werden.
Wenn man die, von den beiden Autoren, perfekt recherchierten und
zusammengetragenen Fakten in diesem Fall liest, kriegt man nur unbändige Wut. Es
gab keinerlei tatkräftige Beweise für Ulvis Schuld, nur das anscheinend
erzwungene Geständnis.
Heute, fast zehn Jahre nach der Verurteilung Ulvi
Ks, weiß man beim Lesen des Buches, dass inzwischen ja wirklich ein anderer Mann
dringend tatverdächtig ist und Ulvi K. wahrscheinlich jahrelang unschuldig in der
Psychiatrie saß. Dadurch wird alles noch realer und grausamer. Hier handelt es
sich wirklich um die Aufdeckung eines Justizskandals, wie es der Buchtitel schon
aussagt.
Ich bin mal gespannt, ob irgendjemand der Verantwortlichen für
diese Aneinanderreihung von Fehlern noch zur Rechenschaft gezogen
wird.
Das Buch ist allerdings eher ein Tatsachenbericht als ein Roman.
Die von den Autoren veröffentlichten Fakten, Details und Ergebnisse ihrer
eigenen Recherchen haben mich beim Lesen gefesselt und gleichzeitig erschüttert.
Ich danke dem Droemer Knaur Verlag für die Zusendung des Rezensionsexemplares.

