Mittwoch, 6. November 2013

Rezension : ` Der Fall Peggy` von Ina Jung/ Christoph Lemmer

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Die Geschichte eines Skandals!!






Obwohl ich seit Jahren die Berichte über den "Fall Peggy" verfolge, hat mich das Buch doch noch erschüttern können.

Ich hatte nicht erwartet, so viele, mir bisher unbekannte, Fakten und Details dort zu lesen.

Die bisherigen Ermittlungsergebnisse und Zeugenaussagen wurden von den Autoren akribisch zusammengetragen und durch eigene Recherchen ergänzt.

Die genauen Lebensverhältnisse der Familie Knobloch vor Peggys Verschwinden waren mir so auch nicht bekannt. Natürlich weiß man nicht, wieviel die Nachbarn und Bekannten noch dazu gedichtet haben, aber es las sich schon schrecklich und das kleine Mädchen, dass so aufwachsen musste, konnte einem von Herzen leid tun. Ein Schlüsselkind, fast immer auf sich allein gestellt; eine Mutter, die sich nicht viel kümmerte.

Susanne Knobloch meldete erst spät am Abend ihre Tochter Peggy als vermisst, es war anscheinend nicht ungewöhnlich, dass die Neunjährige lange unterwegs war. Mit einem alten Foto startete am nächsten Tag die Suchaktion. Erst nach mehrmaliger Bitte der Polizei brachte die Mutter nach drei Wochen endlich ein aktuelles Foto ihrer Tochter.

Zuerst wurde das Umfeld durchleuchtet, Wohnungen durchsucht, auch der Lebensgefährte der Mutter und seine türkische Familie schienen suspekt... Doch je länger die Fahndung ergebnislos blieb, desto mehr gerieten die Ermittler unter Druck.

Auf einmal schien ein Durchbruch gelungen!

Alles konzentrierte sich plötzlich auf den geistig behinderten Ulvi K., der einen geeigneten Täter abgeben könnte. Nach stundenlangem Verhör gestand Ulvi K. den Mord an Peggy Knobloch, und obwohl es weder DNA Spuren oder sonstige Beweise gab, wurde die Suche nach einem anderen Täter sofort eingestellt.
Mit der Festnahme und Verurteilung des jungen Mannes konnte der Fall für die Justiz endlich erfolgreich abgeschlossen werden.
Wenn man die, von den beiden Autoren, perfekt recherchierten und zusammengetragenen Fakten in diesem Fall liest, kriegt man nur unbändige Wut. Es gab keinerlei tatkräftige Beweise für Ulvis Schuld, nur das anscheinend erzwungene Geständnis.

Heute, fast zehn Jahre nach der Verurteilung Ulvi Ks, weiß man beim Lesen des Buches, dass inzwischen ja wirklich ein anderer Mann dringend tatverdächtig ist und Ulvi K. wahrscheinlich jahrelang unschuldig in der Psychiatrie saß. Dadurch wird alles noch realer und grausamer. Hier handelt es sich wirklich um die Aufdeckung eines Justizskandals, wie es der Buchtitel schon aussagt.

Ich bin mal gespannt, ob irgendjemand der Verantwortlichen für diese Aneinanderreihung von Fehlern noch zur Rechenschaft gezogen wird.

Das Buch ist allerdings eher ein Tatsachenbericht als ein Roman. Die von den Autoren veröffentlichten Fakten, Details und Ergebnisse ihrer eigenen Recherchen haben mich beim Lesen gefesselt und gleichzeitig erschüttert.











Ich danke dem Droemer Knaur Verlag für die Zusendung des Rezensionsexemplares. 

1 Kommentar:

  1. Ich liebe solche "Berichte", seit ich Capotes "In Cold Blood" gelesen habe (an das in diesem Genre allerdings noch nicht rankommt meiner Meinung nach). Ich hab auch schon einiges über den Kriminalfall gelesen und hoffe, dass mit einem neuen Verfahren endlich auch wieder Ermittlungen aufgenommen werden, dass, falls es der Verurteile nicht war, der wahre Täter gefunden wird.
    An der Wahrheit ist die Polizei ja bekanntlich weniger interessiert. :/ Ich kann mir nur all zu gut vorstellen, dass sie EINEN Schuldigen und nicht DEN Schuldigen finden wollten. Traurig und auch nicht sehr effektiv, was Verbrechensprävention angeht, denn falls der wahre Täter noch auf freiem Fuß ist und noch mehr Kinder umgebracht hat oder umbringen wird, dann haben die das meiner Meinung nach mitzuverantworten durch ihre Fahrlässigkeit.

    Allerdings hält sich mein Mitleid für den bisher Verurteilten auch in sehr engen Grenzen, denn wenn das stimmt, was ich über ihn gelesen habe, sitzt er nicht unschuldig im Gefängnis, sondern war bis zu Peggys Ermordung nur wegen forensisch-medizinischer und juristischer Fehler noch in keiner Anstalt untergebracht. Er hat zwar noch niemanden nachweislich ermordet, aber Jungen sexuell belästigt und missbraucht.
    Da er intellektuell nicht versteht, was an diesen Tat falsch sein soll, ist ja schön und gut, aber die Opfer verstehen sehr wohl, was passiert ist und leiden unter Umständen lebenslang unter den Folgen. Das ist prinzipiell ein Manko: Man kann bei solchen Offenlegungen immer seitenweise etwas über den Täter lesen, aber die Opfer werden höchstens mal im Nebensatz erwähnt.

    Ich finde es gut, dass es bei diesem Buch anders ist und auch der Augenmerk auf Peggy gerichtet ist. Denn 'unschuldig' verurteilt hin oder her, die einzig Unschuldige Person ist meiner Meinung nach das kleine Mädchen.

    LG
    Ninon

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