Donnerstag, 8. Januar 2026

Rezension: `Der Retter der Mütter` von Péter Gárdos

 

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Ein Leben für die Mütter!















Der Name Ignaz Semmelweis war mir im Zusammenhang mit Hygiene natürlich ein Begriff, doch über das Leben dieses genialen Arztes wusste ich bisher kaum etwas.

Die Geschichte setzt 1839 in seiner Jugend in Buda ein, seiner Heimatstadt. Eigentlich sollte Ignaz das Geschäft seines Vaters übernehmen, doch er hatte sich in den Kopf gesetzt, Medizin zu studieren. Gemeinsam mit seinem Freund Stolz geht er an die Universität in Pest, und beide werden schließlich Ärzte. Ihr erster Einsatz führt sie an die Geburtenstation eines Krankenhauses.

Semmelweis lässt der Gedanke keine Ruhe, warum so viele Frauen nach der Geburt sterben. Und warum überleben die Mütter auf der reinen Hebammenstation, ganz ohne Ärzte, deutlich häufiger? Tag und Nacht sucht er nach der Ursache, beinahe besessen von dem Wunsch, das Rätsel zu lösen.

Der Einstieg ins Buch war für mich etwas schleppend, vor allem weil kaum wörtliche Rede vorkommt, was ich normalerweise nicht so gern mag. Doch sobald ich in Semmelweis’ Leben eingetaucht war, hat mich die Geschichte gefesselt. 

Péter Gárdos hat das Wirken von Semmelweis hervorragend recherchiert und in einen interessanten und spannenden Roman verwandelt. 

Ignaz Semmelweise, ein Mann, der ein Leben lang für die Mütter kämpfte und erst lange nach seinem Tod gehört wurde.

Von mir gibt es eine Leseempfehlung!





Dienstag, 23. Dezember 2025

Rezension: `Tiefe Schuld` von Laura Dave

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Späte Wahrheit!










Nora leidet schwer unter dem Unfalltod ihres Vaters Liam Noone, vor allem, weil sie erst vor kurzem ihre Mutter verloren hat. Zu ihren Halbgeschwistern hat sie seit Jahren kaum Kontakt, das Verhältnis ist distanziert und brüchig. Umso überraschter ist sie, als ihr Bruder Sam sie bittet, mit ihm nach Kalifornien zu fliegen. Er glaubt nicht an einen Unfall.

Über sich selbst überrascht stimmt Nora zu, und gemeinsam versuchen die beiden, die letzten Tage ihres Vaters zu rekonstruieren. Dabei stoßen sie auf ein lebenslang gehütetes Geheimnis. Schritt für Schritt nähern sich die Geschwister einander wieder an und entdecken, dass sie ihren Vater nie wirklich gekannt haben.

In Rückblenden erleben wir den jungen Liam und seine große Liebe und lange bleibt unklar, um wen es sich dabei handelt.

Aufgrund des Klappentextes hatte ich einen Krimi erwartet, tatsächlich aber handelt es sich um einen eher ruhigen Roman über Familie, Schuld und all das, was wir aneinander oft übersehen.

`Tiefe Schuld` hat mir gut gefallen, auch wenn es nicht durchgängig hochspannend ist. Die Stärke des Romans liegt weniger im Nervenkitzel als in der emotionalen Tiefe und der feinfühligen Annäherung an eine zerrissene Familie.

Wer keinen klassischen Krimi erwartet, sondern eine ruhige, atmosphärische Familiengeschichte, wird hier fündig. 


                   


                          



Sonntag, 21. Dezember 2025

Rezension: `Sündflut 1784` von Marco Hasenkopf

 

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Hexenwahn und ein Wettlauf gegen die Zeit!








Cöln, 1784. Amtmann Henrik van Venray hat die große Flut in Cöln überlebt, doch in der Stadt herrschen Krankheit, Hunger und unermessliches Leid. Viele Häuser liegen in Trümmern. Gemeinsam mit der Apothekerwitwe Anna Maria Scheidt macht er sich auf den Weg zurück nach Düsseldorf.

Entgegen Henriks Rat reist die eigenwillige Anna Maria schon wenige Tage später erneut nach Cöln, nur in Begleitung eines Landreiters. Sie will ihren Besitz in Mülheim sichern und ihr Haus verkaufen, bevor es Plünderern zum Opfer fällt. Als sie den zuständigen Anwalt aufsucht, gerät sie jedoch in einen Hinterhalt. Man beschuldigt sie, den Mann auf grausame Weise ermordet zu haben. Rasch schiebt man ihr auch die Schuld an der Flutkatastrophe zu und behauptet, sie sei eine Hexe. Anna Maria droht die Hinrichtung.

Als Henrik davon erfährt, eilt er ihr nach. Er will den wahren Täter finden, doch die Zeit läuft ihm davon, denn bis zur geplanten Hinrichtung bleiben nur wenige Tage.

Marco Hasenkopf ist mit diesem Roman ein authentisches historisches Werk gelungen. Der Autor hält sich eng an die tatsächlichen Fakten und verwebt sie mit einer spannenden und berührenden Handlung. Er fängt die beklemmende Stimmung während der Gerichtsverhandlungen auf dem Marktplatz meisterhaft ein, eine Atmosphäre, in der es nur eines leisen Verdachts bedarf, um eine bislang unbescholtene Frau zum Sündenbock für die Flut und alles Unheil zu machen.

Von mir gibt es eine ganz klare Leseempfehlung.







Dienstag, 9. Dezember 2025

Rezension: `Der Freund` von Freida McFadden

 

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WOW! Was für ein Pageturner!!










Sydney ist am Boden zerstört, als sie ihre Freundin Bonnie  ermordet auffindet. Die Polizei vermutet einen Serienmörder, der seine Opfer zuvor gezielt kontaktiert. Auch Bonnie hatte sich seit einiger Zeit mit einem Mann getroffen.

Erst Monate später wagt Sydney wieder, sich zu verabreden und glaubt, mit dem attraktiven Dr. Brown endlich das große Glück gefunden zu haben. Doch sie verdrängt, dass da draußen immer noch jemand anderes ist, der sie beobachtet und verfolgt.

Freida McFadden ist erneut ein packender Thriller gelungen. Schon ab der ersten Seite ist man mitten in der Handlung. In Rückblenden lernen wir Tom kennen, der unsterblich in Daisy verliebt ist und dennoch verstörende, unheimliche Gedanken hat, sobald er sie sieht.

Die Autorin versteht es meisterhaft, ihre Leser in Atem zu halten. Mit raffinierten Plottwists und einer unvorhersehbaren Handlung sorgt sie dafür, dass man das Buch nicht mehr aus der Hand legen möchte. Und wenn man die letzte Seite erreicht hat, ist man traurig, weil es vorbei ist. Ihr merkt schon, ich bin total geflasht!!


                           


Montag, 8. Dezember 2025

Rezension: `Wem du traust` von Petra Johann

 

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Spannend und nicht vorhersehbar!!









Ich hatte mich sehr auf den neuen Krimi von Petra Johann gefreut und wurde auch diesmal nicht enttäuscht.

Die fünfzehnjährige Sofia kehrt nach einem Babysitter-Abend nicht nach Hause zurück. Rasch fällt der Verdacht auf Daniel Kramer, den Vater des kleinen Linus, der sich in widersprüchliche Aussagen verstrickt. Seine Frau Eva, seit Jahren die engste Freundin von Sofias Mutter, ist verzweifelt: Sie liebt Sofia wie eine Tochter, aber hält trotzdem unbeirrt zu ihrem Mann.

Polizistin Heidi folgt zahlreichen Spuren, doch immer wieder führt alles zurück zu Daniel Kramer. Als er sich weigert, einen DNA-Test zu machen, spitzt sich die Lage dramatisch zu. Bald erinnert man sich an einen Mord an einer Schülerin, der fünfzehn Jahre zurückliegt. Könnte es derselbe Täter sein? Damals jedoch besaß Daniel ein wasserdichtes Alibi.

Petra Johann gelingt es, die Spannung stetig zu steigern, ohne auf blutige Szenen oder Schockeffekte zurückzugreifen. Stattdessen setzt sie auf psychologische Feinheiten und auf das geschickte Verknüpfen von Spuren. Die Ermittler setzen Puzzlestück für Puzzlestück zusammen, doch immer bleiben kleine Ungereimtheiten, die den Leser miträtseln lassen.

Die Auflösung überzeugt und auch hier beweist die Autorin wieder ihr Gespür für Spannung ohne Effekthascherei.

Von mir gibt es eine Leseempfehlung!

                                            




Donnerstag, 4. Dezember 2025

Rezension: `Die Notlüge` von Jutta Maria Herrmann

 

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Ein Thriller voller Abgründe!!










Als Rankas Mutter Agnes nach einem Autounfall im Koma liegt, kommt zu der Sorge um ihren Zustand noch eine schockierende Erkenntnis. Bei einer Untersuchung stellt sich heraus, dass Agnes nicht ihre leibliche Mutter ist. Ranka ist verzweifelt und versucht, herauszufinden, was in der Vergangenheit geschehen ist, denn Adoptionspapiere sind nicht vorhanden.

Bei ihrer Recherche stößt sie auf alte Zeitungsartikel über einen nie aufgeklärten Mord, und nach und nach fügen sich die Puzzlestücke zusammen. Ist ihre Mutter möglicherweise eine Mörderin?

Jutta Maria Herrmann hat erneut einen packenden Psychothriller geschrieben. Die Spannung baut sich diesmal langsam auf, was mir gut gefallen hat. Im Verlauf der Geschichte geschehen mehrere Morde. Jemand will um jeden Preis verhindern, dass die Geheimnisse der Vergangenheit ans Licht kommen. Als Leser tappt man lange im Dunkeln, was genau vor sich geht. Ranka weiß nicht, wem sie trauen kann und wem nicht. Sogar ihr bester Freund Aaron verhält sich plötzlich merkwürdig.

Zum Ende hin nimmt die Story rasant Fahrt auf, und die Ereignisse überschlagen sich. Völlig überraschende Wendungen halten den Leser in Atem. Auch wenn mir manches am Schluss doch etwas übertrieben schien, hat das der Spannung keinen Abbruch getan.

Von mir gibt es eine Leseempfehlung!


                                                               

















Dienstag, 2. Dezember 2025

Rezension: `Die Psychoanalytikerin` von Melanie Metzenthin

 

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Spannender historischer Krimi!!














Hamburg, 1920. Vera Albers übernimmt nach dem Tod ihres Mannes die Praxis und arbeitet als Psychoanalytikerin. Viele ihrer Patienten sind traumatisierte Soldaten, die Hilfe suchen.

Als einer von ihnen ermordet wird, zeigt sich schnell ein Zusammenhang mit den Erlebnissen im Krieg. Kommissar Bender bittet Vera um Unterstützung und kurz darauf sterben weitere Männer aus demselben Regiment.

Melanie Metzenthin hat mich wieder einmal begeistert! Diesmal handelt es sich eher um einen Krimi, denn es geschehen gleich mehrere Morde, und Vera muss mit der Polizei zusammenarbeiten. Für sie ist das eine große Herausforderung, da sie ihre Schweigepflicht nicht verletzen möchte.

Der Schreibstil ist packend, die Story so mitreißend, dass ich das Buch kaum weglegen konnte. Dank der unterschiedlichen Erzählperspektiven bleibt die Handlung interessant und abwechslungsreich. Vera ist eine sehr sympathische Protagonistin, doch auch die junge Reporterin und die beiden Polizisten habe ich sofort ins Herz geschlossen.

Ich hoffe sehr auf eine Fortsetzung, denn ich möchte unbedingt erfahren, wie es mit Vera, Karl, Alma und Abel weitergeht. Bis dahin gibt es von mir eine klare Leseempfehlung für diesen spannenden historischen Krimi!


                                     




























Montag, 1. Dezember 2025

Rezension: `Safe Space` von Sarah Bestgen

 

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Abgründig und verstörend!! 







 

Die forensische Psychologin Anna Salomon tritt ihre neue Stelle im Hochsicherheitsgefängnis Weyer an. Was zunächst wie ein routinierter Arbeitsbeginn wirkt, entpuppt sich bald als etwas ganz anderes, denn Anna hat nur ein Ziel. Und dafür ist sie bereit, alles zu riskieren.

Sarah Bestgen schreibt aus mehreren Perspektiven. In Rückblenden begegnen wir Leon, einem misshandelten Jungen, und Sina, die ihre Welt dem Tagebuch anvertraut. In der Gegenwart steht Anna im Zentrum, mit Motiven, die weit über die Analyse von Straftätern hinausgehen.

Die Autorin entwirft eine morbide Geschichte, die die Leser tief in die Abgründe der menschlichen Psyche blicken lässt. Die Schicksale der Inhaftierten lassen Anna kalt, ihr Fokus liegt allein auf der Umsetzung ihres Plans. Doch als jemand ihre Absichten zu kennen scheint und sie bedroht, gerät ihre Kontrolle ins Wanken.

Die Handlung ist gespickt mit überraschenden Wendungen und psychologischen Verstrickungen, die mich mehrfach auf falsche Fährten führten. Der letzte Teil wirkte auf mich etwas sehr konstruiert, doch die Spannung blieb bis zum Schluss erhalten.


                                                                   







Dienstag, 25. November 2025

Rezension: `Geschenk des Loslassens` von Ellin Carsta

 

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Gefährliche Geschäfte!



























Hamburg, 1928. Auch im nunmehr achten Band der `Kinder der Hansens` lässt uns die Autorin erneut in verschiedene Länder reisen, in denen die Familien verstreut leben.  


Im Mittelpunkt steht wieder das `Hansens`, das Lokal, das sich inzwischen zu einem gut besuchten Etablissement entwickelt hat. Amala missfallen manche Entscheidungen Eduards. Dass er dort seine zwielichtigen Geschäfte betreibt, ist den übrigen Familienmitgliedern bislang verborgen geblieben. Als die Fenster des Hansens eingeschlagen werden, erkennt Eduard sofort die Warnung. Mit dem aus Berlin herbeigerufenen Nolte gerät er schließlich in eine Situation, die sein ganzes Leben verändern wird.


Doch auch bei den anderen Hansens geht es turbulent zu. Mary widersetzt sich endlich ihrem Ehemann, Emma ist in Wien unglücklich und schüttet Robert ihr Herz aus, während Therese gegen ihre Einsamkeit kämpft.  


Wie gewohnt führt Ellin Carsta die Leser durch die Schicksale aller Hansens, sodass man sich als Leser immer und überall mittendrin fühlt.

 Gerne hätte ich noch weiter gelesen, vor allem, wie es mit Eduard weitergeht, doch nun heißt es wieder warten auf den nächsten Teil.







Donnerstag, 20. November 2025

Rezension: ´Die Frauen vom Tafelberg` von Inès Keerl

 

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Grandioser Abschluss!









Kapstadt, 1672. Zwei Jahre sind vergangen, seit ich den ersten Band gelesen habe, und trotzdem hat mich die Fortsetzung schnell wieder in ihren Bann gezogen. Inès Keerl gelingt es mühelos, mich erneut in die raue Welt des Kap der Guten Hoffnung zu entführen. In eine Welt, in der das Leben wenig galt, besonders das der Ureinwohner, und in der Frauen kaum Rechte besaßen.

Gleich zu Beginn trifft Catharina ein schwerer Schicksalsschlag. Doch anstatt zu zerbrechen, stemmt sie sich mit bemerkenswerter Stärke gegen die Widrigkeiten. Sie kämpft für ihre Kinder, ihr Land und ihre Würde. Der skrupellose Chef der Compagnie hat es auf ihr Land abgesehen, und als wäre das nicht genug, wird Catharina auch noch des Mordes beschuldigt und soll verbannt werden.

Die Autorin verwebt historische Fakten und reale Figuren mit erzählerischer Raffinesse. Viele der Charaktere sind historisch belegt, was der Geschichte zusätzliche Tiefe verleiht. Die 500 Seiten habe ich nicht gemerkt, weil ich von Catharinas Welt gefesselt war.

Besonders beeindruckt hat mich, wie  Inès Keerl die Rolle der Frau am Kap schildert: Ohne Mann waren sie rechtlos, mit Mann oft nicht besser dran. Umso bewundernswerter ist Catharinas Durchsetzungskraft und ihre Fähigkeit, sich in einer feindlichen Welt zu behaupten.

Der neue Band erzählt von Liebe und Freundschaft, von Intrigen und Mord und vor allem von einer Frau, die sich nicht unterkriegen lässt.