Jae‑Young ist auf der Flucht, wohin, weiß sie selbst nicht. Im Zug bittet eine fremde Frau sie, kurz auf ihr Baby aufzupassen. Doch die Frau kehrt nicht zurück. Stattdessen findet Jae‑Young einen Zettel, auf dem sie aufgefordert wird, das Kind zu seinen wohlhabenden Großeltern bringen.
Da Jae‑Young ohnehin keinen Plan hat, bleibt ihr nicht viel anderes übrig. Kaum angekommen, hält die Familie sie jedoch sofort für die Mutter des Babys und für die Schwiegertochter des alten Familienoberhaupts. Das luxuriöse Haus, die herzliche Aufnahme und die Fürsorge des Schwagers und des alten Mannes sorgen dafür, dass Jae‑Young bleibt. Eigentlich nur für ein paar Tage, doch schon bald möchte sie gar nicht mehr weg. Und auch das Baby wächst ihr immer mehr ans Herz.
Die Autorin hat einen raffiniert konstruierten Plot geschaffen, der Spannung und emotionale Momente geschickt verbindet. Manchmal versteht man nicht, warum Jae‑Young so handelt oder weshalb die Familie so wenig nachfragt, doch genau diese Irritationen gehören zum Konzept.
Die Geschichte wird aus mehreren Perspektiven erzählt, und erst gegen Ende fügt sich alles zu einem stimmigen Gesamtbild. Mit diesen vielen Wendungen und Enthüllungen hätte ich nicht gerechnet. Plötzlich ergeben auch die merkwürdigen Verhaltensweisen der Figuren Sinn.
`Die Fremde neben dir` ist ein psychologisch fein beobachteter, wendungsreicher und bewusst übertriebener Thriller, dessen Stil an die Bücher von Freida Mc Fadden erinnert.
Mich hat das Buch hervorragend unterhalten, auch wenn manche Szenen etwas konstruiert wirken.
Ich vergebe 4,5 Sterne.






