Dienstag, 13. Februar 2018

Rezension: `Keine Tränen für Allah` von Kholoud Bariedah

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Unfassbar in der heutigen Zeit !!!















Kholoud Bariedah wächst in einer saudi- arabischen Familie auf, die eher westlich orientiert ist. Die Mutter trägt kein Kopftuch und Kholoud trifft sich manchmal mit Freunden, um Musik zu hören.

Bei einem dieser Treffen werden sie von den `Tugendwächtern` überrascht und Kholoud wird wegen `Geschlechtervermischung`, also einer Zusammenkunft mit nicht verwandten Männern, zu vier Jahren Gefängnis und 2000 Stockhieben verurteilt.

Die Familie lässt alle Beziehungen spielen, aber das Urteil bleibt bestehen, Kholoud muss ins Gefängnis.

Das Buch ist eine Art Tatsachenbericht und in der Ich- Form erzählt Kholoud über die Zeit im Gefängnis und die unfassbaren Dinge, die dort passieren. Man fühlt sich beim Lesen mehrere Hundert Jahre zurückversetzt.

Viele ihrer Mitinsassinnen haben schreckliche Angst, aus dem Gefängnis entlassen zu werden, denn dann müssten sie zu ihren Familien zurück.

 Wenn der Staat Rache genommen hat, für diese, in unseren Augen lächerlichen Vergehen, sind der Vater und der Bruder dran, um die Mädchen zu bestrafen. Denn die  Mannesehre kann nur durch Blut wiederhergestellt werden, durch das Blut des Mädchens, dass z.B. selbst entschieden hat, wer sie berühren darf.

Andere Mädchen blieben jahrelang im Gefängnis, weil ihre Familien sie gar nicht zurückhaben wollten.

Kholouds Familie steht allerdings hinter ihr und das gibt ihr Kraft, die Zeit durchzustehen. Eine einzige Sache gibt es, mit der man die Strafe verkürzen kann und zwar das Auswendiglernen des Korans. Das ist Kholouds großes Ziel. Sie lernt und hält Zwiesprache mit Gott, verspricht ihm vieles, wenn er sie nur verschont. Und sie schafft es wirklich als erste Frau, doch ihr Glaube bleibt trotzdem auf der Strecke. Sie kann diesem Gott, der das alles mit ansieht, nicht mehr trauen.



Das Buch hat mich erschüttert, denn das Erlebte in der Ich- Form zu hören, ist schon harter Tobak. Der Schreibstil ist etwas kindlich naiv, passt aber sicher genau, denn selten werden die Mädchen dort zu selbstbewussten Frauen erzogen. Eine Frau darf noch nicht mal in Gegenwart eines Mannes sprechen, es sei denn, sie wird dazu aufgefordert. Ansonsten ist sie den Vätern und Brüdern und anschließend dem Ehemann komplett ausgeliefert. Ich bin immer wieder dankbar, dass ich in einem freien Land leben darf und finde es unendlich traurig, wenn ich lese, dass sich Saudi Arabien anscheinend noch im Mittelalter befindet.

Trotz des aufwühlenden Themas enthält das Buch einige Längen, die mir das Lesen an manchen Stellen etwas mühselig gemacht haben.




Ich danke dem Droemer Knaur Verlag  für die Zusendung des Rezensionsexemplares

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