Sonntag, 11. Dezember 2016

Heute hier: Live- Blogtour 2 Länder, 2 Bücher, 1 Autor




        Guten Morgen, Ihr Lieben.
 Heute macht die Blogtour mit dem Thema `Der Schock` hier bei mir Station. 


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© T.Pyczak


1991: Der Student André nimmt sich eine Auszeit von seiner Beziehung und seinem Leben und bereist den Amerikanischen Kontinent. Er kommt bis ans Ende der Welt: Ushuaia in Feuerland, die Stadt der windgepeitschten Bäume und ständig quietschenden Türen. Eine davon öffnet sich für André, und er verschwindet spurlos. 22 Jahre später macht sich Andrés Sohn Jan mit seiner Mutter Stella auf Spurensuche. Er will endlich die Wahrheit über seinen Vater erfahren. Doch kaum in Feuerland angekommen, verschwindet auch er. Nun muss Stella den Kampf allein aufnehmen und sich gegen die Rauheit der einsamen Stadt und ihrer Bewohner behaupten.

Meine Rezension zum Buch findet Ihr HIER



© T.Pyczak

 


Das Buch hat mich begeistert und ich war total neugierig auf Ushuaia. Deswegen habe ich dem Autor einige Fragen gestellt..

Warst Du schon einmal in Ushuaia? Sieht es dort wirklich so aus wie im Buch beschrieben?

© T.Pyczak

Ja, ich war auf einer Südamerikareise mit meiner Frau Bettina dort. Wir wären wohl nie dorthin gefahren, wenn ich nicht vorher Bilder von Ushuaia gesehen hätte. Die Idee war, einen Roman zu 
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schreiben, der in einer isolierten, feindlichen Umgebung spielt. Als wir dort ankamen, hat Ushuaia diese Anforderungen übererfüllt. Menschen, die auch dort waren, sagen, ich hätte es sehr treffend beschrieben, bis hin zum Geschmack und Geruch. Ich füge mal ein Zitat aus einer Amazon-Rezension ein: 

"Jan. 2015 war auch ich am Ende der Welt, in Ushuaia.
Und jetzt dieser Roman von Thomas Pyczak. Krimi, Liebesgeschichte ... im Einklang mit Kultur, Land und Leuten, Emotionen und Mentalitäten, über Generationen, auf der Basis einer differenzierten Recherche. Spannend und berührend bis zum letzten Satz. Der Schreibstil, kurz und knapp und dabei alles andere als oberflächlich, ließ meine Phantasie, meine Erinnerungen und meine inneren Bilder mitlaufen, suchen, lieben, fürchten, wünschen, sehnen, ermitteln und das Schicksal annehmen. Ich konnte Ushuaia, die Pier, Bars, Leute, sogar die Feuer der Indios 'riechen', das Meer, die Gischt, den aufgewirbelten Sand, die Kälte auf der Haut 'spüren', das supersüße Frühstück ( ... con leche) 'schmecken‘."
© T.Pyczak


Wichtiger als das „Aussehen“ der Stadt ist für mich das Gefühl, dort zu sein. Es ist eine surreale Welt. Tagsüber wird sie überschwemmt von Kreuzfahrttouristen in genormten Jacken. Am Abend ist sie tot. Überall stehen Autos oder Motorräder rum mit laufenden Motor, aber niemand in der Nähe (ist allerdings in Argentinien üblich). Es ist so windig, dass du schon bei dem Gedanken, das Hotel zu verlassen (wir waren im schönen Arakur – wie Stella), bibberst. Die Menschen dort gebrauchen wenig Worte, sind in sich gekehrt. Es ist so eine Schwingung dort, die wir als bedrückend empfanden. Kein Frohsinn. Nur bei einem Mädchen in einem Reisebüro war das anders. Sie wurde zum Vorbild für Carmens Charakter.


© T.Pyczak




Wieviel Autobiografisches steckt im Roman?

Einiges, wenn es um die Gefühlswelten der Figuren geht. Da bin ich ein bisschen Stella, ein bisschen André.   Carmen weniger. Es kommen auch Dinge vor, die ich selbst erlebt habe. Alte Freunde haben das sofort erkannt. Diese Bindung Stellas an Hamburg - das war lange auch ein Thema von mir. Ich war ein überzeugter Hanseat :–) Ein Thema, das mich im Studium beschäftigt hat, ist das Verhältnis Zivilisation – Naturvölker. Ich finde es bis heute faszinierend und wollte gern, dass der Roman ein Fundament in Feuerland bekommt über die Anbindung an die Feuerlandindianer, die Yámana. Das ist also ein Teil meiner Geisteswelt.



Wir widmen uns heute dem Thema „Schock“. Was genau meinst Du damit, wenn Du von Schock sprichst?


Für mich ist Schock ein Zustand, der auf eine krasse Erfahrung folgen kann. In diesem Zustand kann deine Welt für eine Weile aus den Fugen geraten. Ein Autounfall wäre so eine Erfahrung.  Auf Reisen gibt es auch solche Schocks. Dinge, denen du scheinbar schutzlos ausgeliefert bist, die du nicht gleich verarbeiten kannst. 
© T.Pyczak --Dieses lila Haus spielt in Ende der Welt eine große Rolle

Stella, als sie in der Kabine aufwacht und merkt: Er ist weg. Jan ist weg. Es ist kein Spiel mehr. Es ist bitterer Ernst. Danach ist sie unter Schock. Aber sie ist eine kühle Frau, versucht, es sich nicht anmerken zu lassen. 


Wo hast Du einen Schock auf Reisen erlebt und wenn ja, wodurch?

Eine Erfahrung, die ich gerade gemacht habe: Ich bin mit meiner Frau in Swakopmund (Namibia) am Strand spazieren gegangen. Und ich höre so ein komisches Schreien. Sehe nach und da liegt eine kleine Robbe. Es ist Ebbe, das Wasser ist viele Meter entfernt, und sie liegt da im Sand und schreit. Und wir fühlen uns absolut hilflos: Wir können nicht einfach vorbeigehen. Wir wissen aber auch nicht, wie wir helfen können. Wir fragen Spaziergänger. Sie winken ab. Nur eine Robbe. Wir schütteln die Köpfe, für uns ist es ein Wesen in Not, das um Hilfe ruft. Schließlich hebe ich die kleine Robbe vorsichtig hoch und trage sie ins Meer. Sie schreit zwar und zappelt ein wenig, aber sie scheint zu spüren, dass ich ihr nichts Böses tun will.
© T.Pyczak
Ich lege sie ins Wasser und sie beginnt zu schwimmen – aber ganz seltsam. Sie dreht sich in Kreisen um mich. Sie treibt wieder an den Strand. Ich versuche es noch einmal. Es geht nicht. Als wir aufgeben, weil es aussichtslos scheint, ist sie still. Heute Nacht werden sie die Schakale fressen, sagt eine Frau. Wir sind sehr traurig. Am nächsten Morgen erzählen wir das unserer Wirtin. Sie sagt: Seid froh, dass ihr nicht die Küste hochgefahren seid, da liegende hunderte kleine Robben zu dieser Jahreszeit. Tot. Sterbend. That’s nature. Wir sind noch trauriger. Dieses Thema hat uns tagelang nicht losgelassen. Natürlich kennen wir solche Bilder aus dem Fernsehen, aber wenn die Robbe vor dir liegt und schreit, ist es etwas Anderes. 

Du verarbeitest „den Schock" in Deinen Romanen. Was möchtest Du dem Leser damit vermitteln?

Die Figuren machen hin und wieder Schockerfahrungen. Mich interessiert, was da abläuft. Mit der Beschreibung von Mias Schock sowie der Erklärung und Auflösung des Schockzustandes durch Carol habe ich versucht, mich diesem Thema zu nähern. Ich habe mit  vielen Leuten darüber gesprochen, um zu verstehen, was sie denken in diesen Momenten, was sie fühlen. Ich dachte mir dabei: Ich würde so etwas gern lesen, vielleicht, um mich selbst besser zu verstehen. 
© T.Pyczak


Im Ende der Welt ist es, wie gesagt Stellas Schock. Ich wollte wissen, wie geht so eine kühle Frau damit um, dass ihr Sohn verschwunden ist? Wie ist sie damit umgegangen, dass ihr Geliebter verschwunden ist? Ich habe sehr viele Versionen benötigt und die Hilfe vieler großartiger Freunde sowie meiner Frau Bettina, um das hinzubekommen. Mir fiel es schwer. Denn im Gegensatz zum Schock, den Mia erlebt, habe ich das nicht erlebt. Eine großartige Hilfe war die Schriftstellerin Claudia Brendler, meine Sparringspartnerin. Sie hat mir unter anderem geholfen, Mias Gefühlswelt zu zeigen und zu justieren. Auch den Schock. Als Mia später am Feuer sitzt, da wäre die Mia vom Kreuzfahrtschiff auch geschockt gewesen. Aber nach wenigen Tagen ist sie schon eine andere. Sie reagiert kühl und klar und fokussiert. Der Lage angemessen. Sie weiß: Jetzt kommt es drauf an.

Vielen Dank für das Interview, Thomas 😀
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Vergesst nicht !!!  Heute Abend Live Stream mit Thomas Pyczak !  19 Uhr !!!

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Zum Schluss die heutige Gewinnspielfrage :

Wie heißen die Ureinwohner Feuerlands?

Die Lösung schickt bitte an: gewinnspiel@mainwunder.de

Thomas Pyczak wird heute Abend den Gewinner während der Live Übertragung ziehen.

Zu gewinnen gibt es 1 x das Buch `Ende der Welt` signiert !!!


Zusätzlich hat Thomas etwas von seiner Afrikareise mitgebracht. Diese Puppen basteln die Afrikanerinnen für ihre Kinder und sie werden Dollies genannt. Auch diese Süßen  könnt Ihr gewinnen.
                    


© T.Pyczak

Übrigens, da es sich um zwei Bücher handelt, guckt heute doch auch mal bei Sharon von Bücherschrank vorbei.. Dort dreht sich alles um `Starnberg. Marrakesch. Starnberg`

Morgen geht es weiter bei Ute von  scarlett59 und Lena von deineweltmeinewelt.
© T.Pyczak


© T.Pyczak


© T.Pyczak












Kommentare:

  1. Wow, wow,wow

    Liebe Annette, was für ein tolles Interview mir extrem interessanten Fragen. Ich bin ehrlich...das Cover von "Ende der Welt" , erschien mir sehr düster und beim ersten Anblick erweckte es bei mir auch kein Interesse. Ich liebe es farbenfroh und ein Titel sollte mich total ansprechen. Aber jetzt kommt das große ABER......

    Wenn man sich die Zeit nimmt und das Interview liest, merkte ich beim Durchlesen, dass ich immer schneller las, weil mein Interesse stark geweckt wurde. Was ein Erlebnisbericht.

    Da ich gesundheitlich angeschlagen bin, führe ich es hier weiter nicht mehr aus, aber mir ist klar geworden, dass ich sehr, sehr gerne das Buch lesen möchte.

    Ich möchte mich bei allen Bloggern bedanken, die diese Blogtour bearbeitet haben und auch ein Dank an den Autor, der sein Buch zur Verfügung stellt. Mich habt ihr angefixt.

    Einen schönen 3.Advent

    Liebe Grüße Silvia B. aus B.

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    1. Danke, liebe Silvia.. ich hätte mir das Buch wohl so auch nicht ausgesucht, aber mir hat es wirklich gut gefallen.. Ist mal was anderes als unsere üblichen Genres :-) L.G. Annette

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  2. Das ist ja nett. Einfach Urlaub machen sich vergnügend, an abgelegende Orte fahren und Ideen für Roman einsammmel. So kann man auch leben!

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    1. Und dann noch ein herrliches Buch schreiben :-) L.G. Annette

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