Sonntag, 28. September 2014

Rezension: `Greif nach den Sternen, Schwester` von Latifa Nabizada


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Zu diesem Leben gehört Mut!!!








Latifa Nabizada wächst im Afghanistan der 80er Jahre auf. Eigentlich sind sie eine normale Familie; der Vater arbeitet, die Mutter ist zuhause und betreut das Haus und die zehn Kinder. Eine Schulbildung hat sie nicht und deswegen legt sie Wert darauf, das zumindest ihre eigenen Kinder die Schule besuchen können. Das war zu dieser Zeit noch keineswegs üblich für Mädchen.

Das normale Leben hat für die Familie jedoch ein jähes Ende, als der Vater völlig willkürlich verhaftet wird und mehrere Jahre im Gefängnis verbringen muss.

Latifa schildert sehr eindrucksvoll, wie das Leben in Afghanistan abläuft. Korruption steht an erster Stelle und ohne Beziehungen oder Geld läuft nur wenig.

Als junges Mädchen rebelliert sie gegen das strenge Elternhaus. Sie weigert sich, ein Kopftuch zu tragen, schneidet sich die Haare modern kurz etc. und möchte auch noch Pilotin werden.

Das Leben im Land ist zu dieser Zeit mal gerade nicht so streng religiös, auch andere Frauen orientieren sich am Westen. Afghanistan will ein aufgeschlossenes Land sein, zumindest nach außen hin.

Und Latifa und ihre Schwester schaffen es wahrhaftig, die ersten Pilotinnen des Landes zu werden. Natürlich müssen sie dazu massenhaft Hindernisse überwinden, denn die männlichen Kollegen und Vorgesetzten akzeptieren das auf keinen Fall und legen ihnen immer wieder Steine in den Weg,

Doch urplötzlich ändert sich zweimal die politische Lage und islamische Mudschaheddin und Taliban erlangen Macht. Jedesmal ein Rückfall ins Mittelalter...Von jetzt auf gleich ist alles verboten. Frauen haben sich vollkommen zu verhüllen und zuhause zu bleiben, es wird alles untersagt; singen, musizieren, rauchen. fernsehen, Tauben züchten. Wie irre das ist, wird spätestens bei diesem Verbot klar: Man darf im Geschäft Ware nicht mehr in Papier einpacken, denn es könnte ja sein, dass eine Seite des Korans mitgegriffen wird.

Restaurants, Bars, Teehäuser und Friseure sind geschlossen. Natürlich müssen jetzt alle diejenigen furchtbare Angst haben, die vorher ein westlich orientiertes Leben führten.

Einige Jahre danach werden die Taliban entmachtet und die Amerikaner haben das Sagen. Nun lockert sich wieder alles; Latifa und ihre Schwester dürfen sogar wieder als Pilotinnen arbeiten..

Aber im Land geht es rauf und runter und immerzu direkt dieses Extreme. Entweder dürfen die Frauen nur mit einer Burka bekleidet gehen oder sie sind frei und dürfen sogar arbeiten. Ein Mittelmass gibt es nicht.

Mir hat das Buch sehr gut gefallen und wer gerne etwas über den religiösen Wahnsinn liest, ist hiermit gut beraten. Die Sprache und der Schreibstil sind relativ einfach gehalten, deswegen kann man es so weglesen.

Larifa schreibt ziemlich ausführlich, sodass der Leser sich gut in ihr Leben hinein versetzen kann. Soweit man das als Westeuropäer überhaupt kann..... Frauen haben eigentlich gar keine Rechte; sie müssen dem Mann widerstandslos gehorchen. In Latifas Fall war es so, dass sie zwar als Pilotin den Lebensunterhalt verdient, aber trotzdem ihren Mann fragen muss, wenn sie aus dem Haus gehen möchte. Unvorstellbar !!

Es ist auch heute noch so, dass die Eltern die Ehen arrangieren und man sich nicht dagegen auflehnen darf.

Eigentlich kann ich es kaum fassen, dass es dieses Leben in der heutigen Zeit wirklich noch so gibt.

Mich hat das Buch sehr beeindruckt, ich bin mal wieder sehr dankbar, dass ich hier in Freiheit leben darf und selbst über mein Leben entscheiden darf.







Ich danke dem Droemer Knaur Verlag für die Zusendung des Rezensionsexemplares





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