Donnerstag, 19. September 2013

Rezension : `Und morgen seid ihr tot` von Daniela Widmer und David Och



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Am Ende bleibt das Leben!!!













 Die beiden Schweizer David und Daniela reisen seit zwei Monaten entlang der Seidenstrasse. Am 1. Juli 2011 befinden sie sich in Pakistan, auf dem Weg in Richtung Heimat, in drei Wochen wollen sie zurück in der Schweiz sein.

Zu ihrer Sicherheit werden sie jetzt von der pakistanischen Polizei begleitet, doch im Ort Loralai hat der Escortbus eine Reifenpanne und man schickt die beiden alleine vor bis zum nächsten Ort....

Und genau dort geraten David und Daniela Taliban-Kämpfern in die Hände, die sie entführen und verschleppen. Für die nächsten Monate werden diese Männer nun über ihr Leben und ihren Tagesablauf bestimmen und sie in ununterbrochene Todesangst versetzen.

Daniela schrieb während der Reise ihre Eindrücke in ein Tagebuch und führte das auch nach der Entführung weiter, wenn sie Papier und Stift bekam, was nicht selbstverständlich war.

Am Anfang des Buches hatte ich auch im Kopf "Wer sich in Gefahr begibt, kommt darin um".

Doch je länger ich las, desto vertrauter wurden mir die beiden und ich bangte und zitterte mit ihnen.

Daniela beschreibt sehr wirklichkeitsnah, wie das Leben der Bevölkerung sich abspielt. Primitivste Verhältnisse, für uns Europäer unvorstellbar, dass jemand heute noch so lebt.

Manchmal gibt es für kurze Zeit etwas Strom, dann läuft ein Ventilator, oder ein Handy wird aufgeladen..Handys gibt es, aber keinen Empfang; Handys gibt es, aber keine Toilette, keine sanitären Anlagen, natürlich auch keine Waschmaschinen und ähnliche Geräte.

Daniela und David werden mehrmals in andere Unterkünfte gebracht, jedesmal wird ihnen von den Entführern ein Zimmer mit Dusche und Internetanschluß versprochen, doch bekommen werden sie es nie.

Irgendwann sind sie schon zufrieden, wenn sie ein halbwegs anständiges Bett vorfinden, denn auch das ist keine Selbstverständlichkeit.

Die unerträgliche Hitze, Floh-und Ungezieferbefall, dauernder Durchfall, aufgrund der hygienischen Verhältnisse, machen den beiden ununterbrochen zu schaffen.

Die beschriebenen hygienischen Verhältnisse kann man sich fast gar nicht vorstellen.

Neugeborene Babys werden in dreckige Tücher eingewickelt und 2 Wochen lang nicht gewaschen. Wenn Kinder sterben, tröstet man sich damit, dass man ja noch mehr Kinder hat. Deswegen können die Entführer auch nicht wirklich nachvollziehen, warum Danielas und Davids Familien sich so sorgen und um die Freilassung bemühen, denn sie haben ja noch mehr Kinder.

Sehr interessant fand ich auch die Schilderung der Mentalität der meisten Männer, die die beiden kennengelernt haben.

Einerseits sind sie überaus gastfreundlich, denn Gastfreundschaft ist oberstes Gebot. Die Entführungsopfer bekommen sogar das erste Stück beim Essen angeboten, und im anderen Augenblick drohen die Bewacher wieder, sie zu erschießen, geben ihnen nichts zu essen und halten sie wie Tiere gefangen.

Die Männer haben keinerlei Bildung, kennen den Unterschied zwischen 5 Millionen und 50 Millionen Lösegeld nicht, wissen nicht, dass die Schweiz nicht zu USA gehört usw. Man lebt in den Tag hinein, betet und betet und das Größte ist, als Sprengstoffattentäter zu sterben.

Die Frauen dürfen gar nichts, außer ihren Männern zu Diensten sein. Sogar beim Essen bekommen sie oft nur die Abfälle, die Männer ihnen übrig lassen, wie abgenagte Knochen, an denen noch Fleischfetzen hängen.

Das Buch hat mich mitgerissen, ich konnte kaum aufhören zu lesen und hatte mehrmals Tränen in den Augen.

Vor allem diese dauernde Todesangst, nie zu wissen, ob sie den nächsten Tag überleben, ist so realistisch geschildert, dass man als Leser wirklich mitleidet.

Wer sich für das Leben in Pakistan, die Taliban und die ganze Lebenssituation interessiert, dem kann ich das Buch wärmstens empfehlen.

`Und morgen seid ihr tot` wird mich noch eine lange Zeit beschäftigen .






Ich danke dem Dumont Verlag für die Zusendung des Rezensionsexemplares. 

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