Samstag, 3. November 2012

Rezension : Die Insel der Witwen von Dagmar Fohl


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Ein Buch; perfekt für die kalte Jahreszeit !!!







`Die Insel der Witwen` ist das erste Buch, das ich mir aus der Kindle-Leihbücherei ausgeliehen habe.
Es ist Winter im 19. Jahrhundert auf der Nordseeinsel Taldsum; es stürmt und schneit, die Menschen, vor allem die Witwen, die keine Männer im Haus haben, frieren, hungern und müssen jeden Tag um ihr Überleben kämpfen.
Denn Arbeit gibt es für die Witwen der Insel keine; sie ernähren sich von dem, was sie am Strand finden. Das Strandgut hilft ihnen auch, ihre Häuser in Schuss zu halten oder Kleidung zu bekommen.
Denn jedes gestrandete Schiff bedeutet für die Inselbewohner Holz. Stoffe, Essen, Werkzeug; eben alles, was so an Land geschwemmt wird.

Da ist es ganz klar, dass niemand den neuen Leuchtturm haben will, der die Schiffe vorm Untergang bewahren soll, indem er ihnen den Weg leuchtet..
Andreas Hartmann aus Hamburg ist seit seiner Kindheit von Leuchttürmen besessen, nun will er als Architekt den ersten Leuchtturm auf einer Insel bauen.

Doch dort schlägt ihm nur Hass entgegen, bis er Keike trifft, eine junge schöne Witwe....
Obwohl Andreas seit Jahren Familienvater ist, verliebt er sich in Keike und ist zum ersten Mal glücklich in seinem Leben.

Die Geschichte beginnt allerdings direkt mit einem Prozess vor Gericht, in dem Andreas des Mordes angeklagt wird.
Die Autorin schaltet immer wieder zum Prozess zurück, während sie im anderen Handlungsstrang vom Leben auf der Insel und vom Leuchtturmbau berichtet.

Bis zur letzten Seite wird der Leser im Unklaren gelassen, wen Andreas ermordet haben könnte...

Der Roman ist spannend, kommt auch völlig ohne Effekthascherei aus, dafür ist er durchsetzt mit kurzen, eher märchenhaften Träumereien. Der überall verbreitete Aberglaube läßt die Inselbewohner manche Dinge sehen oder spüren, die nicht wirklich passieren..

Sowas mag ich eigentlich überhaupt nicht, doch in dieses Buch paßt es perfekt. Ich fahre öfters Verwandte in Ostfriesland besuchen und mir ist schon aufgefallen, dass dort oft eine mystische und geheimnisvolle Stimmung herrscht.
In der kalten Jahreszeit, wenn Nebel über der flachen Landschaft liegt, ist es wirklich manchmal unheimlich.

Deswegen haben mich diese Abschweifungen ausnahmsweise überhaupt nicht gestört, denn an irgendetwas müssen sich die Inselbewohner ja festhalten bei dem schweren Leben, das sie führen.
Da bleibt ihnen vielfach nur noch das Verdrängen der Realität... 

Das Buch empfand ich perfekt für diese Jahreszeit, denn denn wenn es draußen stürmt und windig ist, kann man sich sehr gut gedanklich in die düstere Atmosphäre nach Taldsum versetzen.
Ein sehr schöner, ruhiger Roman, der trotzdem spannend ist und mir wirklich gut gefallen hat.


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