Dienstag, 13. November 2012

Lesung Sebastian Fitzek und Michael Tsokos in Köln am 07.11.12

Die etwas andere Lesung...
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Schon seit Monaten habe ich die Karten für die Lesung von Fitzek/Tsokos. Letzten Mittwoch war es endlich soweit ...




Stattgefunden hat die Veranstaltung in der Kulturkirche in Köln Nippes, einer Location der Extraklasse..
Die Kirche, in der noch jeden Sonntag ein Gottesdienst abgehalten wird,  kann man außerhalb dieser Zeit für Events mieten.









Es war schon eine etwas gespenstische Atmosphäre, als plötzlich das Licht dunkel wurde und nur noch das Logo von "Abgeschnitten" leuchtete..













Um Punkt 20 Uhr erschienen Sebastian Fitzek und Michael Tsokos auf der Bühne, oder wie man den Altarraum sonst nennen soll...
Beide wirkten total entspannt und sehr sympathisch. Zuerst verrieten sie kurz, wie sie sich überhaupt kennengelernt hatten.
Das war bei einem, wie sie sagten, "gepflegten Literaturgemetzel" in der Sendung "Fröhlich lesen".
Beide kannten einander nicht, und es gab einen Einspieler aus der Sendung.
Das gab schon mal das erste Gelächter im Publikum. Tsokos und Fitzek saßen beide ziemlich desinteressiert gegenüber Frau Fröhlich.. Während Fitzek über sein Buch sprach, erschien über  Tsokos eine Gedankenblase, weil er von einem Sebastian Fitzek noch nie etwas gehört hatte. Und umgekehrt genauso.. Bei Frau Fröhlich stand in der Gedankenblase, was sie noch alles zum Abendessen einkaufen mußte... Das war schon sehr lustig gemacht..Anscheinend hatten die beiden sich nicht wirklich viel zu sagen an diesem Abend.
Irgendwann viel später haben Fitzek und Tsokos sich noch einmal zufällig wiedergetroffen, während sie beide an einer Currywurstbude standen. Sie kamen ins Gespräch und genau dort entstand die Idee für ein gemeinsames Projekt.
Am Mittwoch begann Tsokos mal mit einigen, weit verbreiteten, Irrtümern aufzuräumen. 
Die Arbeit eines Rechtsmediziners ist nicht zu verwechseln mit der eines Pathologen. Es wurden einige Einspieler aus Krimisendungen (Tatort) etc gezeigt, in denen überall Pathologen mitspielten.
Tsokos erklärte, dass ein Pathologe hauptsächlich mit dem Mikroskop arbeitet und Gewebeproben etc untersucht. Pathologen arbeiten niemals an Tatorten, sondern eher in Krankenhäusern und werden auch von denen beauftragt.
Ein Rechtsmediziner kümmert sich um nichtnatürliche Todesfälle, wird von der Staatsanwaltschaft beauftragt und dieser darf auch  Verbrechensopfer untersuchen, an Tatorte gehen usw.
Genauso ein Witz ist der Mythos, dass Rechtsmediziner während der Arbeit Minzpaste benutzen. (Schweigen der Lämmer). Tsokos meinte, das er sonst nach spätestens einem Jahr ein dickes Ekzem unter der Nase habe und außerdem brauche er seine Nase, um Gerüche wahrzunehmen. Wenn eine Leiche z.B.nach Bittermandel riecht, deutet es auf eine Zyankalivergiftung hin, fruchtiger Geruch läßt wieder auf eine andere Todesursache schließen. Woraufhin Fitzek flapsig meinte, als er einmal Tsokos auf der Arbeit besucht habe, hätte er nichts Fruchtiges gerochen. Der widerliche Gestank aus der Rechtsmedizin hing ihm heute noch in der Nase. 

Fitzek schilderte natürlich auch, wie so ein Thriller zustande kommt. Dass der Lektor ihn wieder auf den Boden der Tatsachen zurückholt, wenn er schon meint, das Buch sei fertig.
Dann bekommt er es manchmal mit so vielen Anmerkungen zurück, dass er quasi noch einmal anfangen kann. Aber das Ganze wurde so lustig rübergebracht, dass das Publikum sehr viel Spaß hatte.





Überhaupt waren die beiden ein eingespieltes Team. Gegenseitig zogen sie sich durch den Kakao; Tsokos zeigte Kinder-und Jugendbilder von Fitzek, auf denen man angeblich schon klar erkennen könne, hier wächst ein Psychothrillerautor heran. Die Betonung lag auf "Psycho"...
Fitzek zeigte Fotos von Tsokos, als er mit seinen Kindern im selbst eingerichteten Bälleparadies im Keller liegt und so vom Arbeitstag abschaltet.



 Zwischendurch lasen beide Autoren aus dem neuen Buch "Abgeschnitten", doch irgendwie wurde die Lesung zur Nebensache. Tsokos berichtete sehr viel von seiner Arbeit in der Berliner Charité, hatte auch einige  Fotos von Tötungsfällen mitgebracht. Natürlich mußten diese wegen der Privatsphäre etwas verfälscht werden. 
Einmal wurde er sogar aus Kasachstan angefordert, um drei Leichen zu identifizieren, die in, mit Kalk gefüllten, Ölfässern gelagert wurden und von denen fast nichts mehr vorhanden war.
Er zeigte viele Fotos, die er während des Aufenthalts und der Arbeit in dem Land gemacht hatte. Die hygienischen Verhältnisse dort waren eine Katastrophe ! 
Und die Leichen waren wirklich nicht mehr als Menschen erkennbar, doch aufgrund DNA und des noch vorhandenen Gebisses konnte Tsokos tatsächlich die drei Toten identifizieren.

Nach einer Stunde war eine Pause, in der man in der Kulturkirche Kölsch oder andere Getränke kaufen konnte; Brezel gabs auch, aber mir war doch etwas der Appetit vergangen ..
Nach der Pause wurde noch ein bißchen aus "Abgeschnitten" gelesen und später beantworteten Sebastian Fitzek und Michael Tsokos  Fragen aus dem Publikum. Da war keinerlei Hektik bei den beiden zu spüren, alles war total entspannt.
Ich hatte den Eindruck, es machte ihnen auch wirklich Spaß und sie hatten es nicht eilig, den Abend möglichst schnell zu beenden.



Anschließend hieß es anstehen in der ellenlangen Schlange..Aber irgendwann war ich dran und auch mein Buch wurde signiert.

Meine Nichte Laura hat natürlich wieder ein richtig tolles Foto mit den beiden ergattert..










Die Lesung war ein tolles Erlebnis, woran ich noch lange denken werde. Die Autoren sind eigentlich sehr unterschiedlich und trotzdem ein hervorrragendes Team. Voller Witz und Ironie, aber auch mit vielen informativen Details aus ihrer Arbeit haben sie durch den Abend geführt. Ich hoffe, das war nicht die letzte Zusammenarbeit von Fitzek/Tsokos


Kommentare:

  1. Na das hört sich ja mal wieder richtig gut an. :)
    Schade das bei uns in der Nähe immer keine vernünftigen Lesungen sind.
    Lg Steffi

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  2. Schöner Bericht. Hier in der Nähe gibts leider auch keine :(

    LG Andrea

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  3. In einer Kirche ist ja echt mal toll. Das hätte ich richtig richtig toll gefunden, aber auch so war es gut. Meinen Bericht kennst ja schon.

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  4. Danke, Ihr Lieben.. ja, es war echt ein toller Abend :-)

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  5. Hallo Annette.
    Danke für den tollen Bericht.Ich war auch dort und kann dir nur zustimmen.Es war ein gelungener Abend und wenn ich ehrlich bin, die beste Lesung, an der ich bis jetzt teilgenommen habe.Die beiden waren einfach nur GROSSARTIG!!!!!
    LG,
    Doro

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  6. Hallo Annette,

    ich kann mich den anderen Kommentatoren nur anschließen: VIELEN DANK FÜR DEN AUSFÜHRLICHEN BERICHT!!! Ich beneide dich, denn nach Österreich wird Herr Fítzek wohl so schnell nicht kommen - leider...

    LG
    Sabine

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    1. hallo Sabine, wir haben es echt gut in Köln !! Hier sind so viele Lesungen. Für Dich tuts mir natürlich leid..Vielleicht lohnt sich mal eine Übernachtung in Köln, wenn wieder etwas Tolles stattfindet? Köln hat ja noch mehr zu bieten, dass sich ein Besuch immer lohnt..:-) L.G. Annette

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  7. Sebastian Fitzek ist toll, ich hab ihn in Nürnberg kennen gelernt, als sein Kinofilm "Das Kind" gezeigt wurde
    hab mich rießig gefreut mit ihm ein Bild zu haben und ihn mal in echt getroffen zu haben
    sein neues Buch ist wirklich sehr gut!

    lg Sally

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    1. Hi, das signierte Buch liegt noch hier.. Aber ich lese es, sobald es geht.....L.G. Annette

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  8. Hallo Annette,
    ein super toller Bericht und eine Lesung, bei der ich gerne dabei gewesen wäre. Besonders die Location find ich klasse.
    Ich bin mal wieder neidisch. :)
    Grüße, Petzi

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    1. Haha,,, nächsten Sonntag geh ich zu einer Lesung auf dem alten Melaten-Friedhof in Köln.In der Sargkammer.. na,das ist auch eine Location :-)...Ich werde berichten....l.G. Annette

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  9. oh, da wäre ich auch gerne dabei gewesen. Bin großer Fitzek Fan.

    Dein Blog ist toll, ich werde deinem Blog mal folgen.

    Jessi
    http://jessireneleseratten.blogspot.de/

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  10. hallo Jessi,wenn Du Fitzek-Fan bist, dann verfolge mal meinen Adventskalender, mehr sag ich nicht :-)L.G. Annette

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